Thelema - der neue Mensch

"Der Mensch ist zu schaffen, und es ist allein der Mensch, der den Menschen schaffen kann." (Jean Paul Sartre)

Warum ein neuer Mensch?

Nach dem politischen Zusammenbruch des Ost-West-Gegensatzes wird immer deutlicher sichtbar, daß auch alle anderen dualistischen Weltmodelle und Erlebnisformen, sei es der american way of life, die christliche Dogmatik, die atheistische Borniertheit oder der islamische Fundamentalismus, durchgespielt, ausgeschöpft, sinnlos sind.
Die Idee eines Neuen Menschen - einer neuen Lebenskunst - wird wieder virulent.

Was ist der neue Mensch?

Der Neue Mensch ist ein trans-klassischer Mensch, der nicht nur evolutiv ein Gehirn geerbt hat, sondern der sein Bewußtsein bewußt nutzt - und damit seine eigene Selbstübersteigung beginnt. Er erschafft sich selbst indem er sich buchstäblich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zieht. Diese Selbstbezüglichkeit ist nur möglich unter Einsatz qualitativ neuer Denk- und Verhaltensweisen jenseits der klassischen zweiwertigen Rationalität.

Wie entsteht der neue Mensch?

Der neue Mensch entsteht durch ein qualitativ neues kognitives (Denken), volitives (Willen) und emotives (Gefühl) Werden in dem sich neue Erlebnis- und Handlungsweisen erschaffen. Kognition, Volition und Emotion sind gleichwertige Funktionen des Bewußtseins. Sie ermöglichen sich gegenseitig, können sich allerdings auch gegenseitig paralysieren.
Wir kennen das alle: Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust ... der neue Mensch aber hat drei Seelen - in interdependenter Einheit.

Wer fördert den neuen Menschen?

Die Thelema-Society (Thelema, grch. Wille) erforscht seit über 30 Jahren das Instrumentarium und die Praxis zur Realisierung des transklassischen Menschen. In einem aus der Erfahrung entwickelten Transformationsprozeß beraten die Konsulenten der Thelema-Society Menschen die diesen Weg gehen wollen. Es ist ein ganzheitlicher Prozeß der Selbsttransformation, in dem Denken, Wollen, Fühlen, Erleben und Handeln, sich, fein aufeinander abgestimmt, gegenseitig erschaffen.
Die Grundlagen dieses Transformationsprozesses sind:

  • Ein inspiriertes Kunstwerk: Liber vel Legis
  • Die Denker des neuen Menschen: G. W. F. Hegel, Friedrich Nietzsche, Martin Heidegger, Alfred N. Whitehead und Niklas Luhmann.
  • Mehr als 30 Jahre praktische Erfahrung.

Woran ein neuer Menschen erkannt werden?

Der Neue Mensch ist charakterisiert durch einen Weitblick, der sich ihm durch das Zusammenspiel von Durchblick und Überblick in der Vermittlung von Hierarchie und Heterarchie, eröffnet.

Kopf:

  • Er kann über das normale Dilemma der Zweitheiten wie wahr und falsch, gut und böse, schön und häßlich, Mann und Frau, Geist und Materie in neue und weitere Dimensionen hinausdenken - und findet dadurch nicht nur neue Lösungen für alte Probleme, sondern erschafft bisher unbekannte Fragen.
  • Er kann Grenzen übersteigen (transzendieren) zu neuen Welten, aber er kann auch Grenzen in seine Welt hineinehmen und integrieren.
  • Er hat die Fähigkeit zur Selbstreflexion und Selbstübersteigung durch mehrwertiges und laterales Denken - und deshalb weder Vorurteile noch Angst bezüglich pragmatischer Technik, intensivem Gefühl, kreativem Handeln oder mehrstelliger Logik.

Herz:

  • Er fühlt sich emotional nur vollständig in der Anerkennung des Anderen in seiner Fremdheit.
  • Er ist echter und tiefer Gefühle fähig, weil er den Muskelpanzer der emotionalen Verkrustung gelöst hat.
  • Er reagiert auf neue und unerwartete Ereignisse heiter, locker und gelassen.

Hand:

  • Er klagt nicht über Probleme, er löst offene Fragen durch Wille und Tat.
  • Er nimmt die Umstände und die Welt nicht hin wie sie ist, flüchtet sich weder in Askese noch in Konsumrausch, sondern verändert die Welt - bis sein Leben seiner Vision entspricht.
  • Er ist ein feiner Beobachter, ein aufmerksamer Zuhörer und ein einfühlsamer Gesprächspartner.

Superman?

Damit unterscheidet sich der trans-klassische Mensch von den Allmachtsphantasien der Supermänner und Supergirls, den Helden, welche die klassischen Werte des Wahren, Guten und Schönen verteidigen, genauso wie von den Anti-Helden der modernen Literatur (Der Mann ohne Eigenschaften), die im Dienste der "Dunklen Seite der Macht" stehen.

Fazit:

Das Problem des modernen Menschen besteht darin, daß er unmodern ist. Er interpretiert sein Erleben in Formen veralteter Strukturen und belastet es mit unangemessenen Gefühlen. Dann wundert er sich, daß sein Leben verflacht und sein Handeln, sei es privat oder öffentlich, suboptimal bleibt oder wird. Das ist zu ändern.

Der neue Mensch ist Schaffender und Geschaffener, Besitzer und Besessener, Befreier und Entfreier, Unternehmer und Unternommener. Er ist die Verkörperung der komplexen Tendenzen der Gegenwart selbst, die jetzt schon für jeden Einzelnen die Bewältigungskraft der klassischen Lebensformen übersteigen: Nicht leidendes Opfer, sondern schaffender Täter!

"Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Tier und Übermensch, ein Seil über einem Abgrunde." (Friedrich Nietzsche, Zarathustra)

 

(Michael D. Eschner)

Copyright 2007 by Michael D. Eschner