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Übung: Rollenkonflikte lösen

In der vorherigen Übung "Rollenkonflikte erkennen" haben wir uns damit beschäftigt, wie wir derartige Konflikte entdecken können. Doch mit der reinen Feststellung - z.B. hier liegt bei mir ein Zielkonflikt vor - ist es nicht getan.

Wenn wir uns hin zu einem blühenden Leben entwickeln wollen, müssen wir solche Konflikte lösen. Wie wir dabei vorgehen können, ist Gegenstand dieser Übung.

Nimm dir hierzu deine Liste zur Hand, auf der du deine Rollenkonflikte beschrieben hast. Wähle einen Konflikt aus und bearbeite ihn nach der folgenden Methode.

1. Konstruktive und zerstörerische Gefühle erkennen

Welches Gefühl löst das beschriebene Problem aus? Beschreibe zunächst dein vorhandenes Gefühl zur Problemstellung. Sobald du das Gefühl beschrieben hast, überlege ob es etwas Konstruktives zur Lösung des Konflikts beiträgt. Verschärft dein Gefühl das Problem oder hilft es, Lösungen zu finden?

Beispiel: Wer aggressiv auf einen Gesprächspartner reagiert, mit dem er sich verständigen will, verschärft mit der aggressiven Grundeinstellung das Problem nur bzw. macht vielleicht sogar eine Lösung - z.B. verständigungsorientiertes Gespräch - unmöglich.

Hier kann man sich entscheiden, ob man seine "schlechten Feelings" weiter aufrechterhalten oder lieber das Problem lösen will.

In so einem Fall kann es nötig werden, das eigene Gefühl zu ändern - z.B. in Neugier oder aufrechtes Interesse für die Sichtweise des anderen - damit überhaupt ein Schritt in Richtung Lösung getan werden kann.

Denn erst wenn man selbst Interesse am anderen zeigt, besteht die Chance, dass dieser ebenfalls seine Ablehnung aufgibt und damit ein klärendes Gespräch zustanden kommen kann.

Überlege dir für deinen Konflikt ein Gefühl, welches eine Lösung ermöglicht oder wahrscheinlicher macht.

2. Bedürfnisse erkennen und berücksichtigen

Als nächstes suchen wir nach dem Bedürfnis, das hinter dem Gefühl steckt. Menschen sind intentionale Wesen, d.h. sie entwickeln ihre Gefühle und Ansichten nicht willkürlich, sondern verfolgen dabei eine bestimmte Absicht.

Diese Absichten müssen erkannt und erfüllt werden, damit wir mit einer Situation rundherum zufrieden sein können.

Beispiel: Hinter der Aggression (siehe vorheriges Beispiel) könnte die Absicht stecken, dass der Gesprächspartner den eigenen Worten zuhört, die eigenen Bedürfnisse versteht und anerkennt, um sie am Ende selbst bei der Suche nach einer richtigen Entscheidung zu berücksichtigen.

Dies ist ein gegenseitiger Prozess, in dem beide Seiten Bedürfnisse zur Sprache bringen, die vom jeweils anderen berücksichtigt werden sollen. Erst wenn beide Seiten dies realisieren, kann aus einem Streitgespräch ein konstruktiver Dialog werden.

Der erste Schritt ist somit das eigene Bedürfnis zu erkennen und positiv zu formulieren. Negative Formulierungen à la: "Ich will mit dir nicht in die Disco gehen!" oder Bewertungen à la: "Das ist öde und langweilig", helfen niemandem.

Verwende positive Formulierungen wie: "Ich bin heute ziemlich fertig von meiner Arbeit und habe das Bedürfnis nach Erholung.

Ein ruhiger Abend - ein gutes Essen in einem gemütlichen Restaurant oder ein nettes Gespräch etc. - würde mir Freude machen."

Erst im letzten Beispiel hat der Gesprächspartner eine eindeutige Orientierung, welches Bedürfnis er bei seiner Entscheidung berücksichtigen soll und kennt einen nachvollziehbaren Grund.

Überlege in diesem Schritt, welches Bedürfnis vorliegt, und wie du es positiv formulieren kannst. Wenn dir dieser Schritt gelingt, gibst du damit deinem Gegenüber die Chance dich zu verstehen und auf dein Bedürfnis einzugehen.

Bedenke, dass dein Gegenüber auch Bedürfnisse hat, d.h. auch du solltest bereit sein, diese Bedürfnisse zu erfragen und mit in deine Entscheidung einfließen zu lassen.

Erst wenn beide Bedürfnisse auf dem Tisch liegen, kann man sich Gedanken über eine Lösung machen, die idealerweise beide Bedürfnisse integriert.

3. Ort und Umstände berücksichtigen

Orte und Umstände können einen wesentlichen Einfluss darauf haben, ob solch ein Vorhaben glückt oder misslingt. So wird ein Problemgespräch in einer lauten Eckkneipe - wenn man gerade gestresst von der Arbeit kommt - äußerst schwierig.

Solch widrige Umstände können selbst die beste Vorbereitung zunichte machen.

Daher lohnt es sich schon im Vorfeld einen Rahmen auszusuchen, innerhalb dessen eine angenehme Atmosphäre erzielt werden kann.

Um einen geeigneten Rahmen zu finden, können folgende Fragen hilfreich sein:

  • An welchen Ort fühlst du dich und dein Gesprächspartner wohl?
  • Wie kannst du sicherstellen, dass du dich ungestört unterhalten kannst? (Hier können viele Faktoren störend sein, z.B. klingende Handys, Umgebungslautstärke, Unterbrechung durch unbeteiligte Menschen, Zeitnot, aufwendiger Anfahrtsweg etc.)
  • Wie kannst du durch die Gestaltung des Events positive Gefühle (z.B. Wertschätzung des anderen) zum Ausdruck bringen? (Beispiele: Romantisches Essen im Mondschein, einen Strauß Blumen, eine Einladung ins Kino etc.)
  • Kennst du die Vorlieben des anderen und hast sie bei der Wahl des Ortes und der Umstände berücksichtigt?
  • Hast du einen Zeitpunkt gewählt, an dem alle Beteiligten genug Muße haben, sich auf ein klärendes Gespräch einzulassen? (Negativ-Beispiel: Unter Termindruck besteht die Gefahr, kurz vor der Klärung abbrechen zu müssen, weil man zum nächsten Date hetzen muss.)

Wenn du nach diesem Schema eine Lösung gefunden hast, stehen deine Chancen schon recht gut, einen Konflikt beizulegen bzw. ihm eine erfreuliche Wendung zu geben.

Lasse dich nicht entmutigen, wenn dein erster Versuch nicht gleich ein voller Erfolg wird. Wir machen alle Fehler und können daraus lernen. Einen befriedigenden und langfristigen Erfolg werden wir aber nur dann erreichen, wenn wir uns konsequent an so eine konstruktive Vorgehensweise halten.

Wer sich angewöhnt in solchen Problemlösungen zu denken und zu handeln, wird letztlich jedes Problem meistern können. Dann ist es nur noch eine Frage der Zeit und der eigenen Beharrlichkeit bis wir unser Ziel erreicht haben.

Viel Erfolg beim Gestalten eines glücklichen Lebens!

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