Übung: MEINE Prinzipien
Die Handlungsprinzipien sind nur Prinzipien, wenn es DEINE sind. Sind es deine?
Leicht dahin gesagt ist ...:
- ... ja, natürlich ...
- ... klar, zu denen, die unvernünftig handeln, gehöre ich nicht ...
- ... ähm ... woher soll ich das wissen?
Genau! Woher soll und kann ich wissen, ob ich wirklich nach genau diesen Prinzipien lebe?
Zu sagen, dass ich beispielsweise vernünftig lebe, bedeutet ja, dass ich in vielen vielen Situationen vernünftig handle. Dies so oft, dass die Summe davon (der Durchschnitt) eine vernünftige Lebensweise ist.
Ebenso zeigt sich jedes andere Handlungsprinzip in den kleinen alltäglichen Handlungen, Gedanken, Gefühlen und Unterlassungen. Was dir wichtig ist in deinem Leben, weißt du eigentlich bereits - dir fehlt nur der Überblick.
Darin steckt bereits ein möglicher Weg, wie du herausfinden kannst, nach welchen Prinzipien du lebst: sammle und werte aus!
Lege dir einen Stoß kleiner Notizzettel bereit und eine Schale, einen Stift brauchst du griffbereit. Stelle dies an einen zentralen Ort. (Auf deiner Arbeit, wenn du unterwegs bist, stecke dir einige Notizzettel in die Tasche)
Jedes Mal, wenn dir auffällt, dass dir dies oder jenes wichtig ist zu tun, greife dir einen Zettel und schreibe dies auf und lege den Zettel in die Schale. Hier ein paar Beispiele:
- Mir ist wichtig, dass meine Katzen gesund sind. Die Pfote der Katze ist sehr geschwollen, ich gehe zum Tierarzt, denn das ist mir jetzt zu riskant.
- Ich brauche ein kräftiges Frühstück - das heute war zu lau, nach einer Stunde knurrt mir schon wieder der Magen.
- (Du blickst gerade aus dem Fenster) Saubere Fenster sind mir wichtig! Hier sieht man ja kaum mehr durch!
- Jetzt aber schnell losgehen - ich will nicht zu spät zum Treffen kommen.
- Ich habe ein sehr wohltuendes Bad genommen.
Wahrscheinlich hast du schon gemerkt, dass es um konkrete (beabsichtigte, vollzogene) Handlungen geht, ob es nun Fenster putzen ist oder ein Bad nehmen. Ob es vernünftig war, dies zu tun oder gerecht oder ehrlich, interessiert erst mal nicht.
Gleich noch ein paar Gegenbeispiele:
- Mir ist wichtig, gesund zu sein.
- Meinen Kindern soll es gut gehen.
- Ich will unabhängig sein.
Warum sind dies drei Gegenbeispiele? Es sind keine Handlungen! Wie viele Menschen kennst du, die von sich sagen: Mir ist wichtig, ...
- ... krank zu sein
- ... zu täuschen
- ... unvernünftig zu sein
- ... von anderen abhängig zu sein
Das sagt doch keiner ernsthaft.
Jedoch gibt es viel mehr Menschen, die beispielsweise sagen, dass ihnen Gesundheit wichtig ist, aber wenn du hinschaust, was sie tun, dann betreiben sie Raubbau mit ihrem Körper.
Sie essen fettig und kalorienreich, bewegen sich wenig, geschweige denn, dass sie ihren Körper trainieren, lockern; die 20 Kilo Übergewicht behalten sie und erwarten vom Arzt, dass er ihre Knieschmerzen lindert ... Gesundheit ist wichtig?!?
Deshalb ist es wichtig - und eigentlich einfacher, dass du Handlungen aufschreibst, die du gemacht hast oder machen wirst. Die kleinen alltäglichen Taten: Ich esse meinen Teller immer leer oder ich esse nur soviel, bis ich satt bin.
Mache dies eine Woche lang.
Nach dieser Woche nimm dir ein Stündchen Zeit, zwei Bögen Papier (oder ein Text-, HTML-Dokument) und deine Schale.
Teile dir ein Papier in 8 Teile und schreibe auf jeden Teil den Namen eines Handlungsprinzips.
Überlege dir eine Farbe für: 'hab ich doch nicht gemacht', bzw. 'nur gesagt, aber nicht getan', beispielsweise grau.
Nimm dir nacheinander alle Zettel aus der Schale und ordne sie einem der Prinzipien zu.
Lege entweder den Notizzettel in das Feld auf dem Papierbogen oder schreibe ein paar Stichworte in deine Datei (Katze zum Tierarzt gebracht, Fenster geputzt, dem Ober meine Meinung zum Essen gesagt...).
Hast du die Handlung nicht ausgeführt, markiere den Zettel grau, bzw. markiere dies mit der vorher dafür ausgewählten Farbe.
Ein Beispiel:
Zettel: "Jetzt aber schnell losgehen - ich will nicht zu spät zum Treffen kommen."
Pünktlichkeit ist mir wichtig! Zuverlässigkeit steckt da auch drin. Tja, was für ein Handlungsprinzip ist das jetzt? Unklare Zuordnungen plaziere auf dem zweiten Bogen Papier mit einem Stichwort.
Zettel: "(Du blickst gerade aus dem Fenster) Saubere Fenster! Man sieht ja kaum mehr durch!"
Das war nur ein Vorhaben! Ich wollte schon anfangen, da rief Oma an, die konnte ich nicht abwürgen. Eine Stunde verging, dann hatte ich einen Termin und kam nicht mehr zum putzen. Diesen Zettel färbe grau.
Gehe alle Zettel durch - bis deine Schale leer ist.
Die unklaren Zuordnungen kannst du dir jetzt nochmal genauer anschauen. Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit könnten ein Teil von Integrität sein - das trifft es nicht ganz, ist aber eine Voraussetzung dafür. Dann kannst du diese Zettel auch der Integrität zuordnen.
Dass wir nur 8 Prinzipien haben, deutet darauf hin, dass sie einiges zusammenfassen. Neben Pünktlichkeit dürfte auch Reinlichkeit, Freundlichkeit, Höflichkeit ein Verhalten zusammenfassen, das vielen Menschen wichtig ist.
Eine Möglichkeit ist, dass du diese Verhaltensweisen als basales Vermögen im Umgang Menschen zusammenfasst. Wenn du dir die Handlungsprinzipien anschaust, dann ist dies quasi vorausgesetzt. Wir sprechen ja nicht vom Überleben, sondern von einem blühenden Leben.
Eine andere Möglichkeit ist, dass du diese Verhaltensweisen ein oder mehreren Prinzipien unterordnest. Beispielsweise Freundlichkeit, Höflichkeit bei Ehrlichkeit, weil man Kritik keinem um die Ohren haut.
Bei Produktivität, weil man Kunden immer höflich behandelt, oder bei Vernunft, weil sie dies gebietet, du willst ja nicht in einer gewaltvollen Welt leben - oder bei Gerechtigkeit: Was du nicht willst, das man dir tut, das füge keinem anderen zu ...
Mache diese Übung noch eine Woche - also wieder sammeln und auswerten.
Handlung versus Handlungsprinzip
Eine notierte Handlung ist natürlich nicht repräsentativ. Am Beispiel der Klassiker: Einmal im Restaurant dem Ober ehrlich gesagt zu haben, wie dir das Essen geschmeckt hat, macht keinen ehrlichen Menschen aus dir. Ebenfalls kann es dem pünktlichsten Menschen passieren, dass er sich verspätet.
Mag sein, dass du sehr genau weißt, ob du pünktlich bist oder nicht. Wenn ja, kannst du diese Situation verallgemeinern (sofern du viel bei Ehrlichkeit gesammelt hast).
Wenn nein, dann befrage andere, wie sie dich einschätzen oder beobachte dies genau in den nächsten Tagen.
Außerdem ist eine x-beliebige Woche kein repräsentativer Ausschnitt deines Lebens. Es bietet sich somit sowieso an, dass du dir über mehrere Wochen Notizen machst. Wiederholte Handlungen kannst du dann auch wiederum farbig hervorheben oder fetten.
Mache diese Übung weitere 4 Wochen und ergänze sie durch folgende andere Perspektiven:
Selbst getäuscht?
Jedem kann passieren, dass er sich irrt. Schon Jesus wusste:
"Den Splitter, der im Auge deines Bruders ist, den siehst du; aber den Balken, der in deinem Auge ist, den siehst du nicht. Wenn du den Balken aus deinem Auge gezogen hast, dann wirst du klar genug sehen; um den Splitter aus dem Auge deines Bruders zu ziehen."
Dabei helfen "Brüder", sprich andere Menschen, mit denen du diese Übung zusammen machst, oder die Ergebnisse durchsprichst. Du kannst sie um Feedback bitten...
Eigene Aufzeichnungen auswerten
Aufschreiben, was einem wichtig ist, ist eine Möglichkeit, über Beobachtung herauszufinden, was ich denke, tue, fühle. Wie anfangs schon gesagt, lebst du bereits deine Prinzipien. Wenn du Tagebuch schreibst, eine Email, ein Resümee zu einem Ereignis schreibst, fließen deine Prinzipien mit ein.
Nimm dir jede Woche eine Aufzeichnung vor und scanne sie nach Handlungsprinzipien, die durchscheinen.
Extrahiere diese Sätze und ordne sie, wie oben bezüglich der Zettel beschrieben, den Prinzipien zu.
Hast du Aufzeichnungen zu deiner Vision, Mission, Wunschträumen, kannst du auch diese verwenden. Wenn du hast, nimm ältere Aufzeichnungen - 1-2 Jahre alt. So ergänzt du deinen aktuellen Beobachtungen des Tages mit "Beobachtungen" aus der Vergangenheit oder Zeitspannen, in denen du nicht daran gedacht hast, was dir wichtig ist.
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