Kämpfen statt Mitleiden
Thema: Kämpfen statt Mitleiden
3. Nun verstehet zuerst, daß ich ein Gott des Krieges und der Rache bin. Ich werde hart mit ihnen verfahren.
7. Ich werde euch eine Kriegs-Maschine geben.
8. Damit werdet ihr das Volk zerschmettern; und niemand wird vor euch bestehen.
9. Lauern! Zurückziehen! Auf sie! das ist das Gesetz der Eroberungsschlacht: so soll die Verehrung für mein geheimes Haus beschaffen sein.
18. Gnade laßt beiseite: verdammt die Mitleidigen! Tötet und quält; schont nicht; auf sie!
19. Diese Stele werden sie die den Greuel der Trostlosigkeit nennen;
26. Erschlagt diese, nennt dabei eure Feinde; & sie werden fallen vor euch.
28. Auch im Krieg werdet ihr stark sein.
42. Die Prüfungen sollst du selbst überwachen, ausgenommen nur die Verborgenen. Weise niemanden zurück, doch du wirst die Verräter erkennen & vernichten. Ich bin Ra-Hoor-Khuit; und ich habe die Macht, meinen Diener zu schützen. Erfolg ist dein Beweis: argumentiere nicht; bekehre nicht; rede nicht zu viel! Die, die dich zu überlisten versuchen, dich zu überwinden, die greife an ohne Mitleid oder Gnade; und vernichte sie vollständig. Wende dich schnell wie eine getretene Schlange und schlage zu! Sei noch tödlicher als er! Zerre ihre Seelen herab zu schrecklicher Qual: lach ihrer Furcht: spuck auf sie!
43. Die Scharlachrote Frau soll sich hüten! Wenn Mitleid, Bedauern und Sanftmut ihr Herz befallen: wenn sie mein Werk verläßt, um mit alten Süßigkeiten zu spielen; dann wird meine Rache offenbar werden. Ich werde mir ihr Kind erschlagen, ich werde ihr Herz entfremden: ich werde sie von den Menschen ausstoßen: als sich verkriechende und verachtete Hure soll sie durch dunkle, nasse Straßen kriechen und Kälte und Hungers sterben.
46. Ich bin der Kriegsherr der Vierziger: die Achtziger ducken sich vor mir erniedrigt. Ich werde euch zu Sieg und Freude bringen: ich werde im Kampf bei euren Waffen sein, & ihr werdet Lust am Töten haben. Erfolg ist euer Beweis; Mut ist eure Rüstung; voran, voran, in meiner Kraft; & vor nichts sollt ihr euch zurückwenden!
Für all diese Verse gilt natürlich, was ich schon bei Hadit zum Thema Brüder versus Sklaven geschrieben habe: Das L will uns kämpferisch und (selbst-)verantwortlich und nicht (selbst-)mitleidig.
Doch weshalb sollte bei Ra-Hoor-Khuit noch einmal genau dasselbe nur in anderen Worten wiederholt werden, was bei Hadit schon gesagt wurde? Ein Grund mag sein, dass man mit verschiedenen Formulierungen verschiedene Menschen erreicht. Banal aber eben nicht unwichtig. So erschloss sich mir dieses ganze Thema "Hart schlagen" statt Mitleiden zum ersten Mal an einem L-Fest, als wir eine Ra-Hoor-Khuit Meditation machten und ich Vers III.43 sprach. Zuvor hatte ich genauso auch die Hadit-Verse rezitiert, aber das Aha-Erlebnis, das Verstehen und Auf-mich-beziehen-Können, hatte ich bei diesem Vers. Ab dem Moment an begann ich das Ra-Hoor-Khuit Kapitel zu schätzen und lange Zeit blieb es mein "Lieblings"-Kapitel - obwohl ich vorher auch zu der großen Zahl von Leuten zählte, die "mit Ra-Hoor-Khuit nicht so viel anfangen können" und sich lieber an Nuit oder Hadit halten.
Was können wir aus der Veränderung des Vokabulars herauslesen? Welche andere Perspektive erschließen diese Begriffe? Schon Hadit war nicht "zimperlich" in der Ausdrucksweise. Wir lesen Worte wie: niedertreten, gegen das Volk sein, herrschen etc. Bei Ra-Hoor-Khuit gibt es allerdings in Bezug auf die "Aggressivität" noch eine Steigerung und das Vokabular stammt mehr aus dem militärischen Bereich, also sozusagen dem "organisierten", "professionellen" Kampf bzw. Aggressivität: Krieg, Eroberungsschlacht, töten, Feinde, erschlagen, angreifen, vernichten etc. Und da Ra-Hoor-Khuit sich ja selbst als Gott des Krieges und der Rache vorstellt, ist dies eben nicht nur eine seiner Seiten, sondern die charakteristische.
Das Liber L fordert von den mündigen, erwachsenen Menschen (den Sternen), dass sie frei werden und ihren Willen tun. Ra-Hoor-Khuit ist der Gott des Kampfes gegen Widerstände, frei zu werden. Er ist derjenige, welcher rächt, aber genauso auch belohnt ("Abrahadabra, der Lohn von Ra-Hoor-Khut."), als Fluch oder Segen erscheint, also Konsequenzen aufzeigt.
Tut "er" das wirklich? Wer ist "er"? Muss man ihn sich, genauso wie den christlichen Gott als Bestrafer und Belohner vorstellen?
Diese Sichtweise ist mit anderen Versen nicht in Einklang zu kriegen - Er ist kein Gott der über uns schwebt und bestraft, sondern die (externalisierte, personalisierte) Konsequenz, die wir selbst zu verantworten haben. Genau genommen trifft das auch auf den christlichen Gott (auf alle Götter zu). Nur - Ra-Hoor-Khuit sagt es uns selbst ganz deutlich, dass wir uns dessen immer bewusst sein sollen:
17. Fürchtet überhaupt nichts; fürchtet weder Menschen noch Schicksale, noch Götter, noch irgend etwas. Geld fürchtet nicht, noch das Gelächter des närrischen Volkes, noch irgendeine Macht im Himmel oder auf der Erde oder unter der Erde. Nu ist eure Zuflucht, wie Hadit euer Licht; und ich bin die Stärke, Kraft und Macht eurer Arme.
Ra-Hoor-Khuit ist die Konsequenz, die ich durch meine Arme, durch meine Taten bewirke. Nicht mehr und nicht weniger. Aber so unerbittlich konsequent wie wir die Folgen unserer eigenen Taten zu spüren bekommen, könnte wohl nie ein andrer Mensch oder Gott uns gegenüber sein. Wir erleben diese Konsequenzen als Lohn oder Strafe - und neigen dazu, den Lohn eher unserem Verdienst zuzuschreiben und die Schuld eher anderen zuzuschieben ...
Der große Heilige Krieg ist der gegen uns selbst. Wir selbst sind der gewiefteste und härteste "Feind". Wir sind die Person, die sich wohl die meisten Illusionen über sich selbst macht und gleichzeitig den meisten Einfluss hat auf unser Handeln. Wobei ich die Begriffe "gegen" und "Feind" problematisch finde. Denn wenn ich mich selbst nicht mag, kann ich mich auch nicht verändern. Ich kann und will nicht "gegen" mich arbeiten, denn meine Schwächen sind nur die andere Seite der Medaille. Auf der Vorderseite stehen meine Stärken. Ich kann nicht eine Seite wegnehmen und die andere behalten. Der erste Schritt des Kampfes besteht darin, diese Schwächen zuzulassen, sie in den Blick zu nehmen, und sie mit einem gewissen liebevollen Humor zu betrachten. So wie es die alten Ägypter mit ihrem Feind Seth machten: nicht ausschließen, sondern integrieren!
von Seba-u mut
Wir sind stolz darauf, Menschen zu sein.
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Kommentare
(Selbst)Mitgefühl statt (Selbst)mitleid... kämpfen sowieso...
"Kämpfen statt Mitleiden" finde ich eine hervorragende Überschrift - damals, während meiner Krankenpflegerausbildung in der Onkologie (Krebs...) meinte eine Schwester mal zu mir: man darf mitfühlen, aber niemals mitleiden. Ich denk mir mal: Wäre es anders, wäre man für diesen Job ungeeignet...
Mitleid ist ein verächtliches Gefühl. Das Almosen unter den Gefühlen.
Ich bezweifel mal, dass Seth der Feind der Ägypter war. Einen Feind kann man nicht integrieren - ein Mindestmaß an Bereitschaft dazu muß auch bei Seth vorhanden gewesen sein. Wenn ich allerdings auch zugeben muß, von dieser Materie nicht wirklich Ahnung zu haben.