Wenn der Wille still steht
Thema: Wenn der Wille still steht
27. In mir ist große Gefahr; denn wer diese Runen nicht versteht, wird einen großen Fehler machen. „Weil“ heißt die Grube, in die er niederfallen wird, und dort wird er mit den Hunden der Vernunft umkommen.
30. Wenn Wille hält und schreit „Warum“ und dadurch „Weil“ beruft, dann steht der Wille still & tut so nichts.
31. Fragt Macht warum, dann ist Macht Schwäche.
32. Auch Vernunft ist eine Lüge; denn es gibt einen Faktor unendlich & unbekannt; & all ihre Worte sind schief.
Diese Verse sind eigentlich selbsterklärlich, vor allem nach allem, was oben schon über Schwäche und Angepasstheit gesagt wurde. Heißt das, dass man grundsätzlich darauf verzichten sollte, anderen Menschen, das was man tut, zu erklären? Für das, wovon man überzeugt ist, zu argumentieren? Um den Unterscheid zwischen Erklären und Rationalisieren zu fassen, muss man eigentlich nur "genauer in das Wort schauen".
Die Verse malen ein bestimmtes Bild:
Die Grube des Weil, in der die Hunde der Vernunft umkommen. Der Wille hält und schreit und bewirkt so Stillstand und Nichtstun. Die Vernunft übersieht den unendlichen und unbekannten Faktor.
Eine Grube ist etwas, in dem man festsitzt, in der man sich nur im Kreise drehen kann: Begründungen bedeuten in diesem Kontext also als Mittel, den eigenen Stillstand zu rechfertigen. Im Volksmund "Ausreden" genannt, zu denen man entweder deshalb Zuflucht nehmen muss, wenn man nicht zu dem stehen kann, was man getan hat, weil man es so wollte. Oder um Neues und Ungewohntes abzuwimmeln, um das zu bleiben, was man ist.
Der Wille, der hält und "Warum" schreit, ist in dem Moment kein Wille mehr, sondern Zweifel. Der Zweifel wird nicht kognitiv reflektiert, sondern emotional ausgekostet (schreien). Crowley hat das mal sehr schön beschrieben: Das Warum-Fragen, das Abwägen von Pro und Contra findet vorher statt. Wenn man sich dann nach reiflicher Überlegung für etwas entschieden hat, braucht es Willenskraft, diesen Weg zu gehen. Natürlich erfordert jeder Weg Flexibilität, aber gleichermaßen auch Gelassenheit und Beharrlichkeit.
Macht ist etwas, das "von Natur aus" nicht zum Fragen da ist, sondern zum Machen 
Alle Vernunft, alle kognitive Leistung ist gleichermaßen wahr und gleichermaßen defizitär. Sie ist immer nur ein Teil des Ganzen: der Kopf, der ohne Herz und Hand und Geist einsam, lahm und leblos ist. Wenn die Vernunft das vergisst und die anderen, den unendlichen und unbekannten Faktor, unterdrückt, wird sie zur Lüge.
Die Gegenbegriffe zu Rationalisierungen, Vernunft, Verstand, Feigheit, Gewohnheiten sind: Intuition, Mut, Empathie, Hingabe, Zielorientiertheit, unendlicher Wille.
von Seba-u mut
Wir sind stolz darauf, Menschen zu sein.
- Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben




Kommentare
Warum und weil...
30. Wenn Wille hält und schreit „Warum“ und dadurch „Weil“ beruft, dann steht der Wille still & tut so nichts.
Hier ist der ursprüngliche Wille gemeint, der ohne Manipulation entstanden ist - der Stillstand ist etwas kurzfristiges... "Warum" und "Weil" kann man verstehen wie ein Verhältnis Lehrer zum Schüler. Bestenfalls.