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Hadit ist Freude

Thema: Hadit ist Freude

Zum Thema Freude und Trauer gibt es im LLL eine auffällige Zahl von Versen. Und noch auffälliger: vor allem bei Hadit: Das Gefühl von Freude ist ein Zeichen für Hadits Anwesenheit!

9. Denket alle daran, daß Existenz reine Freude ist; daß alle Sorgen nur wie Schatten sind; sie vergehen & sind vorbei; doch da ist das, was bleibt.

17. Hört ihr seufzenden Menschen! Die Sorgen von Leid und Reue sind den Toten und den Sterbenden überlassen, Das Volk, das nicht kennt mich bis jetzt.

18. Sie sind tot, diese Anderen; sie fühlen nicht. Wir sind nicht für die Armen und Betrübten: die Herren der Erde sind unsere Sippe.

19. Soll ein Gott in einem Hunde leben? Nein! Nur die Höchsten gehören zu uns. Sie werden jubeln, unsere Erwählten: wer trauert gehört nicht zu uns.

20. Schönheit und Stärke, perlendes Lachen und köstliches Ermatten, Kraft und Feuer sind unser.

In diesem Vers stecken nicht nur Vitalität, Glück, Freude, Stärke, als häufig genannte Kennzeichen von Thelemiten, sondern auch: Lockerheit!

21. Wir haben nichts gemein mit den Ausgestoßenen und den Untauglichen: sie sollen in ihrem Elend sterben. Denn sie fühlen nicht. Mitleid ist das Laster der Könige: tretet nieder die Unglücklichen & die Schwachen: dies ist das Gesetz der Starken: dies ist unser Gesetz und die Freude der Welt. Denke nicht , o König, an diese Lüge: Daß Du Sterben Mußt: wahrhaftig, du wirst nicht sterben, sondern leben. Jetzt soll es verstanden sein: Wenn der Körper des Königs vergeht, wird er für immer in reiner Ekstase bleiben. Nuit! Hadit! Ra-Hoor-Khuit! Die Sonne, Kraft und Sicht, Licht; diese sind für die Diener des Sterns & der Schlange.

46. Versagst du? Bist du verzagt? Ist Furcht in deinem Herzen?

47. Wo ich bin gibt es diese nicht.

48. Bemitleide nicht die Gefallenen! Ich kannte sie nie. Ich bin nicht für sie. Ich tröste nicht: Ich hasse den Getrösteten & den Tröster.

49. Ich bin einzig & Eroberer. Ich gehöre nicht zu den Sklaven, die zugrunde gehen. Seien sie verdammt & tot! Amen. (Dies ist von der 4: es gibt ein fünftes, das unsichtbar ist, & darin bin ich wie ein Kind in einem Ei.)

52. Es gibt einen Schleier: dieser Schleier ist schwarz. Es ist der Schleier der züchtigen Frau; es ist der Schleier des Kummers & das Bahrtuch des Todes: dies gehört nicht zu mir. Reißt dieses Lügengespinst der Jahrhunderte nieder: verschleiert eure Laster nicht mit tugendhaften Worten: diese Laster sind mein Dienst; ihr tuet recht, & ich will euch hier und hernach belohnen.

56. Hinweg! Ihr Spötter; obwohl ihr mir zu Ehren lacht, sollt ihr nicht lange lachen: dann, wenn ihr traurig seid, wisset, ich habe euch verlassen.

Wer trauert, unglücklich, schwach ist, kennt Hadit nicht. Er gehört nicht zu den Göttern, sondern zu den Toten oder Sterbenden. Herrschaft, Freude und Schönheit sind Charakteristika der Götter.
Bemerkenswert ist hierbei zweierlei:
Erstens: Das Liber L grenzt keine Menschen "an sich" aus, z. B. aufgrund ihrer Rasse, Religionszugehörigkeit, Lebensweise etc. Jeder Mann und jede Frau ist ein Stern - prinzipiell - und soll seinen Willen tun. Sich von den Göttern, von Hadit, also dem innersten, eigensten Kern abwenden, kann nur jeder selbst. Jeder entscheidet mit seinem Verhalten und Handeln immer wieder neu, ob sein Leben eine langsame Krankheit zum Tode wird, oder ob er immer lebendiger und vollkommener wird.
Zweitens: Das LLL urteilt nicht über Menschen, so wie sie "sind", denn ein solches Urteil kann letztlich niemand fällen. Aber Verhalten ist beobachtbar und hat Konsequenzen. Das LLL "sagt" einfach, welches Verhalten welche Konsequenzen hat. Trauer, Unglück, Schwäche führen tendenziell dazu, den Tod wegschieben, verdrängen zu wollen. Den Tod nicht ertragen zu können. Aber dies ist ein circulus vitiosus, der zwangsläufig zum Tod führt. Nur wem der Tod präsent ist, der kann das Leben leidenschaftlich lieben und wird damit stark genug, den Tod zu überwinden.

Aber soll das heißen, dass nach dem LLL Gefühle wie Trauer und Angst unerwünscht sind, aus dem (Er-)Leben verbannt werden sollten? Dieser Eindruck kann entstehen, wenn man das LLL flüchtig liest und ignoriert, dass diese sogenannten "negativen" Gefühle an mehreren Stellen in Verbindung mit "sie fühlen nicht" bzw. "sie fühlen wenig" auftreten.

Trauer, Unglück und Schwäche werden dann "tödlich", wenn sie zur Verhaltensgewohnheit werden. Man sich sozusagen in dieser Struktur einrichtet, hieraus seine Bestätigung und Rechtfertigung holt, um sein Leben nicht selbstverantwortlich zu gestalten. Hinzu kommt, dass, wenn solche Gefühle Verhaltensgewohnheit werden, der Mensch lernt, alle Gefühle auf einem low-level zu halten und möglichst wenig von ihnen mitzukriegen. Sie (diese Menschen) resignieren oder diese Brutalität sich selbst gegenüber richtet sich auch gegen andere. Wenn Gefühle untergehen, bekommen Gewalt, Berechnung und Formalismen die Oberhand: Der Zweck heiligt die Mittel.

Das Liber L will, dass wir unsere Gefühle ausloten und bewusst wahrnehmen. Ein "heiler" Mensch erlebt intensive Gefühle, sowohl helle als auch dunkle. Diese Intensitäten auszuhalten und aus ihnen Kreativität zu schöpfen, erfordert Stärke:

69. Ah! Ah! Was fühle ich? Ist das Wort erschöpft?

70. Es gibt Hilfe & Hoffnung in anderen Sprüchen. Weisheit sagt: sei stark! Dann kannst du mehr Freude ertragen. Sei nicht tierisch; verfeinere dein Entzücken! Wenn du trinkst, trinke nach den acht und neunzig Regeln der Kunst: wenn du liebst, übertriff durch Zartheit; und wenn du etwas Freudiges tust, laß Feinheit darin sein!

 

von Seba-u mut

__________________

Wir sind stolz darauf, Menschen zu sein.

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