Brüder versus Sklaven
Thema: Brüder versus Sklaven
24. Siehe! Dies sind tiefe Geheimnisse; denn es gibt auch Freunde von mir, die Einsiedler sind. Nun glaube nicht, sie im Wald oder auf dem Berg zu finden; sondern in purpurnen Bette, liebkost von herrlichen Weiberbestien mit kräftigen Glieder und Feuer und Licht in ihren Augen und Massen flammenden Haares um sich herum; dort werdet ihr sie finden. Ihr werdet sie sehen beim Herrschen, bei siegreichen Armeen, bei allen Freuden: und es wird in ihnen eine Freude sein, eine Million mal größer als diese. Hütet euch vor jeder Gewalt gegeneinander, König gegen König! Liebet einander mit brennenden Herzen; trampelt auf den niederen Menschen in der wilden Lust eures Stolzes, am Tag eures Zornes.
25. Ihr seid gegen das Volk, o meine Auserwählten!
58. Ja! rechnet nicht mit Veränderung, ihr sollt sein wie ihr seid & nicht anders. Deshalb sollen die Könige der Erde Könige für immer sein: die Sklaven sollen dienen. Es gibt niemanden, der gestürzt oder erhoben werden wird: alles ist immer wie es war. Doch da sind Maskierte, meine Diener: es kann sein; daß jener Bettler dort ein König ist. Ein König kann sein Gewand wählen wie er will: es gibt keine sichere Probe: aber ein Bettler kann seine Armut nicht verbergen.
59. Gebt darum acht! Liebet alle, falls vielleicht ein König verborgen ist! Sprichst du so? Narr! Wenn er ein König ist, kannst du ihn nicht verletzen.
60. Daher schlage hart & tief und zur Hölle mit ihnen, herrsche!
Das LLL fordert Leidenschaft im Kampf gegen Feinde und für die Brüder. Wer sind die Feinde? Der "niedere Mensch", das "Volk" oder (s.o.): die Unglücklichen und die Schwachen, die Getrösteten und die Tröster, die Sklaven.
Aber weshalb sollte man auf den Schwachen noch herumtreten? Verletzt das nicht grundlegende Regeln, die man schon jedem Kind beibringen will: Dass man bei Schwächeren, die schon auf dem Boden liegen, nicht noch einmal nachtritt? Wenn wir alles, was wir bislang über die L-Götter und das Gesetz des LLL wissen, berücksichtigen, dann ist klar, dass damit nicht gemeint sein kann, andere zum eigenen Vorteil auszunutzen oder bestimmte Menschen an sich auszuschließen oder gar zu schädigen.
Dennoch ist offensichtlich: Das LLL polarisiert zwischen den Starken und Schwachen. Es hat Ecken und Kanten und es scheut die Provokation nicht. Es geht ihm darum, den Menschen stärker zu machen. Dieser Schwerpunkt ist deutlich. Es geht um Machtzunahme: Um tun zu können was ich will, um das Gesetz des LLL befolgen zu können, brauche ich Stärke und Macht. Nicht Macht über andere, aber Macht über mich und mein Leben. Und wie erreiche ich dieses Ziel? Was stärkt uns, was schwächt uns? Menschen reagieren normalerweise sehr stark auf das, was man von ihnen erwartet, sie richten sich in dem ein, was bestätigt wird. Wenn ich jemanden für schwach halte und bedaure, kommt er zu dem Schluss, dass er schwach und bedauernswert ist. Ab einer gewissen Grenze kommt der andere nicht mehr auf die Idee, dass er stark genug ist, sich selbst zu helfen. Stark genug auch beispielsweise gegen den Mainstream, gegen das Korsett des angepassten, unauffälligen Bürgers, den man problemlos funktionalisieren kann, zu handeln. Ein Mensch kann aber nicht heil und ganz werden, solange er auf das, was andere von ihm erwarten entweder mit Gehorsam oder mit Trotz reagiert. Worum es letzlich geht, ist, dass er tut, was er will, und dass er das, was er tut, will. Er tut es, weil er es so will und nicht, weil irgendein anderer Mensch oder Gott es so will.
Selbstmitleid und Hilflosigkeit, Zaghaftigkeit und Angepasstheit hat natürlich auch eine gewisse Attraktivität. Wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, ist es sicher bequemer als selbst Verantwortung zu übernehmen. Das Liber L durchbricht diese Kultur, in der es (gerade für Mädchen) attraktiv ist, schüchtern, züchtig und (selbst-)mitleidig zu sein. Nach dem LLL sind die Lauten, die Starken, die Lachenden, die Schamlosen attraktiv!:
II. 52. Es gibt einen Schleier: dieser Schleier ist schwarz. Es ist der Schleier der züchtigen Frau; es ist der Schleier des Kummers & das Bahrtuch des Todes: dies gehört nicht zu mir. Reißt dieses Lügengespinst der Jahrhunderte nieder: verschleiert eure Laster nicht mit tugendhaften Worten: diese Laster sind mein Dienst; ihr tuet recht, & ich will euch hier und hernach belohnen.
III. 44. Doch sie erhebe sich in Stolz! Sie folge mir in meinem Weg! Sie wirke das Werk der Verderbtheit! Sie töte ihr Herz! Sie sei laut und ehebrecherisch! Sie sei mit Juwelen und reichen Gewändern bedeckt und sie sei schamlos vor allen Menschen!
III. 55. Auf dem Rade werde die unbefleckte Maria zerrissen, um ihretwillen sollen alle keuschen Frauen unter euch vollständig verachtet sein!
Dies wird umso mehr verständlich, wenn man bedenkt, was zumeist Wurzel und Motiv der Keuschheit ist: Angst, Feigheit, Unterdrückung und Anpassung.
Der "Kampf" gegen die Schwachen besteht darin, ihnen deutlich zu machen, dass sich nur jeder selbst zum König oder zum Sklaven machen kann. Niemand anderes kann das tun. Jeder muss für sein Leben selbst die Verantwortung übernehmen: "Es gibt niemanden, der gestürzt oder erhoben werden wird."
Aber wieso ist "alles immer wie es war"! Eine Welt ohne Veränderung, wie schrecklich! Wenn man genauer liest, sieht man: "rechnet nicht mit Veränderung". Auf Veränderung rechnen, heißt warten, dass jemand anders etwas verändert. Und das führt immer zu Misserfolg. "Ihr sollt sein wie ihr seid & nicht anders." Wie? Ontologisch als Sklave oder König festgeschrieben? Nein, eine ontologische Aussage macht das L nur über das Prinzip: "Jeder Mann und jede Frau ist ein Stern." Und das war, ist und wird immer so sein: "alles immer wie es war". Von dieser Basis aus kann jeder sich selbst stürzen oder erheben.
Der Kampf gegen das Volk (das Heer der Angepassten) besteht darin, ihnen deutlich zu machen, dass wenn sie auf einem solchen Selbstbild bestehen, wenn sie sich in der Schwäche einrichten, dann kann ihnen niemand - auch sie selbst nicht - helfen - und niemand wird es ihnen danken. Ihr Herz, ihre Seele wird immer schwächer und Hadit wird sie irgendwann verlassen.
von Seba-u mut
Wir sind stolz darauf, Menschen zu sein.
- Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben



