Willen tun
Thema: Willen tun
42. Der Zustand der Vielfältigkeit soll Gebundenheit und Ekel sein. So mit all deinem; du hast kein Recht als deinen Willen zu tun.
43. Tu dies und keiner soll nein sagen.
Das heißt, der Mensch hat nicht das Recht, etwas zu tun, das nicht sein Wille ist. Das heißt auch, dass der Mensch offfensichtlich die Möglichkeit hat, etwas anderes zu tun, seinen Willen nicht zu tun. Also ist nicht alles, was ein Mensch tut, sein Wille. Und auch wenn er sagt, ich will x, muss das kein sicheres Indiz sein.
Woran kann man erkennen, dass jemand seinen Willen tut? Sind alle willentlichen Entscheidungen und Handlungen durchdacht, rational, ethisch korrekt?
Ein Indiz für Willen ist sicherlich Erfolg, langfristiger intendierter Erfolg als Folge eigener Anstengungen. Kann man sagen, wo immer das gegeben ist, hat jemand seinen Willen getan? Könnte das immer noch etwas sein, dass er nur macht, weil er so gut angepasst ist? Mindestens muss wohl dazu kommen, dass das, was er tut, diesen Menschen glücklich macht, ihn bzw. seinen Kopf, Herz und Hand stärkt.
44. Denn reiner Wille, unbefleckt von Zweck, befreit von der Gier nach Ergebnis, ist in jeder Hinsicht vollkommen.
Das was er tut, erfüllt den Menschen, Erfüllung liegt schon im Tun und nicht erst im Ergebnis. Der Zweck befleckt oder heiligt nicht die Mittel, sondern die Mittel sind selbst schon "sinnhaft".
Dass aber prinzipiell keine Ergebnisse angestrebt werden sollen, kann kaum gemeint sein. Sonst würde der Satz: "Erfolg ist dein Beweis!", keinen Sinn machen. Dennoch ist schon der Weg ein Teil des Ziels. Für die meisten Ziele ist es hilfreich, nicht nach ihnen zu gieren und den Weg selbst nur als notwendiges Übel zu betrachten. Deutlich wird das, wenn ich beispielsweise etwas schön gestalten will, aber auf dem Weg dahin die Lust verliere und die Sache lieblos mache. Dies ist dem Ergebnis anzusehen und anzufühlen.
Die andere Bedeutung des "reinen Willens" ist ein Wille, der seinen Zweck nicht außer sich, sondern in sich hat, also ein Wille dessen Zweck in ihm selbst liegt, Selbstzweck ist. Ein Selbstzweck ist etwas, das seinen Wert in sich trägt und keinen über sich hinausgehenden Zweck hat bzw. nicht Mittel für einen anderen Zweck ist.
Wille ist dann Selbstzweck, wenn es der Wille zum Willen ist: Der Wille als Mensch Willen zu entwickeln, seinen eigenen Willen zu bestimmen und zu tun - sich eine "Mission" (Lebensziel, das aber noch über dieses Leben hinaus geht) zu setzen!
Was meint: Der Wille ist "vollkommen"?
Dass kann einerseits meinen, dass der Mensch, der diesen Willen tut, "vollkommener" wird. Der Mensch wird seelisch und geistig immer lebendiger und nicht: "Das Leben ist eine langsame Krankheit zum Tode." Andererseits: Der Wille selbst ist vollkommen, an ihm fehlt nichts, er dient nicht einem anderen Zweck, sondern genügt sich selbst (s.o. Selbstzweck)
von Seba-u mut
Wir sind stolz darauf, Menschen zu sein.
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