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FAQ zur Thelema Society

Uns werden - gerade dank der Kirchen, Sektenberatungsstellen und Medien - immer wieder die gleichen Fragen gestellt. Auf viele davon haben wir keine große Lust, wieder und wieder einzugehen. Deshalb haben wir sie hier in einem FAQ zusammengestellt.

Die Thelema Society & ihre Ziele
Was sind die Ziele der Thelema Society?

Selbsterschaffung des Einzelnen und ein neues Zeitalter für die Menschheit. Wir sind der Überzeugung, dass die Menschheit am Anbeginn eines neuen Zeitalters steht, in dem sich andere Lebensweisen, andere Denkformen... und damit ein anderer Mensch entwickeln wird. Wir befassen uns damit, diese Formen zu erforschen und zu erproben.
Diese Wandlung ist in den Maximen ausgedrückt:

Tu, was du willst, sei das ganze Gesetz.
Liebe ist das Gesetz, Liebe unter Willen.
Jeder Mann und jede Frau ist ein Stern.
Der Tod, o Mensch, ist dir verboten!

Unser Ziel ist es, den Weg ins Neue Äon, den Weg der Gottwerdung zu ebnen. Wir erforschen und erproben Methoden, die es ermöglichen, die Kundalini-Shakti zu entwickeln sowie den Wahren Willen zu leben.
Die Vision: Jeder Mensch ist ein einzigartiges, unabhängiges und freies Individuum. Er lebt nach dem eigenen Willen, in tiefer Liebe zu allen anderen Menschen. Wir leben diese Vision ...
In der Sprache der Tantras: Befreiung der Kundalini-Shakti.
In der Sprache Crowleys: Kommunikation mit dem Heiligen Schutzengel.
In der Sprache der taoistischen Alchemie: Unsterblichkeit der Psyche.
In der Sprache der Mythen aber auch zeitgenössischer Psychotherapie und Persönlichkeitsentwicklung: die Heldenreise

Was tut ihr praktisch?

Alles, was im Verdacht steht, der persönlichen Entwicklung und Bereicherung des Einzelnen und der Gemeinschaft zuträglich zu sein. Smiling
Bauchtanz, afrikanischer Tanz, Tai Chi, Kampfkunst, Yoga, Body Building, Dehnungsübungen, Energiearbeit. Meditation auf Mantren, Klänge, Empfindungen oder visuelle Objekte. Philosophie, Magick, Psychologie, Soziologie, Symposien, Metaphysik, bewusstseinsverändernde Techniken, Computerspiele, Programmieren, Projektarbeit, Teamarbeit, ... um nur einige Themen zu nennen, die gerade in letzter Zeit aktuell sind.
Die Gestaltung des eigenen Lebens wird am Wert für das Wachstum, für die Entwicklung der Persönlichkeit bemessen. Das setzt genaue Selbsterforschung und das Abwägen verschiedener Alternativen voraus. So ist die Frage, Was tue ich? geknüpft an die Frage, Was will ich gestalten? Der Strudel von Vagheiten, die Fülle an Möglichkeiten, die Erschaffung neuer Optionen - kann man nicht erklären. Um sie zu verstehen, muss man es selbst durchleben.
Kurz gesagt, unsere Praxis umfasst Praxis und Modell. Wenn man weiß, wohin man will, braucht man noch das Vermögen, das Erstrebte auch zu erreichen - es geht um Wille. Thelema eben.
Wie sieht das konkret aus? Wir nehmen uns regelmäßig und mindestens einen Tag in der Woche Zeit für gemeinsame Themen und Übungen. In der Regel treffen wir uns in kleinen Arbeitsgruppen von 3-6 Leuten. Meditation und Körperübungen (Yoga, Bioenergetik, Tanz etc.) gehören zum festen Tagesprogramm, die sonstigen Themen und Übungen variieren von Philosophie, Psychologie, Logik, ... über magische Themen, Divination usw. ... bis hin zu kreativer Gestaltung und Spielen.
Einige Mitglieder treffen sich darüber hinaus an anderen Tagen, um mindestens in räumlicher Nähe zu sein - und oft auch an gemeinsamen Projekten - zu arbeiten. Dies annähernd beschreiben zu wollen, würde den Rahmen dieses FAQ sprengen... Eye-wink

Warum lebt ihr in einer Gemeinschaft zusammen?

Erstens: weil es erheblich mehr Spaß macht Smiling
Zweitens: weil es einfach praktischer effektiver ist.
Unsere Ziele haben viel mit Persönlichkeitsentwicklung und der gezielten Änderung von Gewohnheiten zu tun.
Im engen und vertrauensvollen Zusammenleben mit anderen ist es viel leichter sich selbst, die eigenen Stärken und Schwächen zu erkennen.
Neben der individuellen Entwicklung (Wahrer Wille) ist auch die Verbreitung des Neuen Äons ein großes Ziel, welches allein nicht zu realisieren ist. Wie will man denn auch "Liebe ist das Gesetz" leben, wenn man allein in seinem Kämmerlein sitzt?

Warum beruft ihr euch auf Aleister Crowley?

Wir berufen uns nicht auf Crowley.
Er war ein genialer Mensch, der zu seiner Zeit viel in Bewegung gebracht hat, was heute noch wirkt. Er hat das Liber L vel Legis gechannelt und ein umfassendes Werk neuäonischer Magie erschaffen, in dessen Zentrum die Entwicklung des Menschen selbst steht.
Daher schätzen wir sein Werk und arbeiten mit vielen seiner Schriften. Viele seiner Gedanken sind auch heute noch valide, mindestens aber interessant. Andere haben wir ergänzt und weiterentwickelt.
Deshalb steht Crowley für uns gleichberechtigt neben anderen Persönlichkeiten, die in anderen Bereichen wichtige Werke verfasst haben. Die wichtigsten sind Friedrich Nietzsche ("Also sprach Zarathustra"), Charles S. Peirce (Philosophie) und Niklas Luhmann (Soziologie).
Was unsere Interpretation von Thelema angeht, so haben wir unsere eigene, von Crowleys Interpretation z.T. erheblich abweichende, weil weiter- und neu-entwickelte Interpretation. Wir anerkennen aber Crowleys Leistungen als Pionier von Thelema. (Manche Leute nennen uns deshalb in Abgrenzung zu Leuten, die noch mit 3 Kartoffeln im Mund das Liber Samech rezitieren "Neo-Thelemiten" ... wir nehmen das augenzwinkernd zur Kenntnis.)

Zur Organisation
Wird die Thelema Society in totalitärer Manier geführt oder wer trifft relevante Entscheidungen?

Nein. Die Entscheidungen werden in der Thelema Society gemeinsam getroffen. Für die organisatorischen und übergreifenden Aufgaben wird jährlich ein Koordinat gewählt.
Für die inhaltlichen Themen wie z.B. Meditation, Körperübungen, Magie, Philosophie usw. gibt es Berater - aber Beratung muss natürlich nicht in Anspruch genommen werden. Jeder, der in einem oder mehreren Bereichen Fähigkeiten hat, kann sein Wissen denen zur Verfügung stellen, die diese Erfahrung nicht haben und lernen wollen.
Je nach Interesse finden sich die Leute in Gruppen zusammen und bestimmen ihre Themen und Vorgehensweisen selbst. Es besteht keine Verpflichtung, Berater hinzuzuziehen. Wenn man untereinander keine Lösung finden kann, redet man halt mit anderen, die das ganze mehr von Außen betrachten können oder einfach auf dem Gebiet mehr drauf haben.
Totalitarismus widerspricht in jeder Weise den Lebensmaximen unserer Mitglieder und den Zielen der Gemeinschaft.

Ist die Thelema Society eine Sekte?

Nein. Wir sind weder eine Abspaltung der christlichen Religion noch eine Gruppe, die einem Führer dient. Mit der Verwendung des Begriffs "Sekte" setzen sich verschiedene kirchliche Webseiten auseinander. Ein Beispiel:
"Das Christentum selbst begann als eine kleine "jüdische Sekte" der "Nazarener": Die ersten Christen waren Juden, die sich von den übrigen Juden davon unterschieden, dass sie erlebt hatten, dass der von allen Juden erwartete Messias in dem Menschen Jesus von Nazareth zu finden war. Diese neue Erkenntnis war ihnen so wichtig, dass darüber die ursprüngliche Gemeinschaft mit dem Judentum zerbrach und eine neue Religion entstand. In der Reformation prangerte der Mönch Martin Luther einige Missstände innerhalb der katholischen Kirche an und setzte sich für eine Reform ein. Aus den Auseinandersetzungen entstand zunächst (aus katholischer Sicht) die "Sekte der Lutheraner", bis sie sich als evangelische Konfession neben der römisch-katholischen etablierte." (aus: www.confessio.de)
Was sind wir dann?
Ganz einfach: eine Gemeinschaft von Menschen, welche auch ungewöhnliche Ideen hat und lebt, und die in den Augen vieler Menschen oftmals unverständlich und demgemäß: etwas verrückt erscheinen.
So oder so ist es uns natürlich lieber, wenn jemand uns vorurteilsfrei kennenlernen und beurteilen will, anstatt nur die gängigen Projektionen der Massenmedien unreflektiert zu wiederholen. Immerhin gibt es mittlerweile sehr viele einzelne Menschen, andere Gruppen, Orden und heidnische Religionsvertreter, die uns sympathisch finden und gerne mit uns zusammenarbeiten.

Wie kommt es, dass ihr in einer Sekte gelandet seid?

Ähm, ... wir sind keine Sekte. *g* (s.o.)
Dass wir bei Thelema gelandet sind, hat bei jedem Einzelnen eine individuelle Geschichte. Viele Mitglieder aus dem In- und Ausland stießen bei ihrer Suche nach einer geeigneten magisch-mystischen Gruppe auf uns, andere lernten uns über Freunde oder Bekannte kennen. Die Entscheidung zum Beitritt in die Gemeinschaft hat jedes Mitglied für sich aus unterschiedlichen Gründen getroffen.

Horrorstories 1 - Gehirnwäsche und Verfolgung
Wie ist das mit Gehirnwäsche und Abhängigkeit?

Obwohl dieser Hetzbegriff immer noch gern verwendet wird, um Anders-Denken loszuwerden: Uns sind keine Methoden zugänglich, Gehirne zu waschen. Aber im Ernst: bei uns wären alle Mittel und Wege verpönt und verboten, die auf eine solche Manipulation des Willens Anderer hinauslaufen. Wir brauchen keine Ja-Sager und Menschen, die lediglich tun, was irgendwem gefällt - unsere höchste Maxime ist: "Tu, was Du willst."
In Folge dessen gibt es auch niemanden, der in dieser Weise abhängig von uns wäre. Im Gegenteil haben wir zu allen ehemaligen Mitgliedern - von einigen ganz wenigen abgesehen, die Gründe seien dahingestellt - ein außerordentlich gutes und herzliches Verhältnis.

Die Presse berichtet, dass ihr ehemalige Mitglieder bedroht und verfolgt - ihnen z.B. tote Ratten vor die Haustür legt. Was ist da dran?

Völliger Blödsinn. Wir haben im Ernst (erstens) besseres zu tun, als durch die Welt zu reisen, Leute zu verfolgen und ihnen - was auch immer - vor die Tür zu legen.
Ganz abgesehen davon kann (zweitens) jeder aus der Thelema Society austreten, wann und aus welchem Grunde er will. Dass jemand nicht mehr mitmachen möchte kommt regelmäßig vor. Wir finden das schade, aber wir halten niemanden fest. Da wir uns gegenseitig als Menschen sehr schätzen, ist uns aber weiterhin an einem positiven und konstruktiven Verhältnis zu "Ehemaligen" gelegen. Wir arbeiten mit einer ganzen Anzahl an gemeinsamen Projekten und viele kommen uns ab und an zu Festen oder privat besuchen.
Allerdings arbeiten wir hier an unser Weiterentwicklung. Das ist ein Prozess, der manchmal nicht ganz einfach ist und manchmal auch schmerzhaft und verwirrend sein kann - etwa in der Auseinandersetzung mit Persönlichkeitsanteilen, die man lieber verdrängt (z.B. tiefsitzende Ängste, alte Verletzungen). Einige steigen aus, weil sie dabei den Mut verlieren. Einige ganz wenige (uns sind 2 Personen bekannt) scheinen davon so erschreckt worden zu sein, dass sie sich im Nachhinein von allem, was sie in der Gruppe erlebt haben, abgrenzen müssen und ihre Erlebnisse zur Distanzierung negativ einfärben.
Dabei wird dann leider auch die eine oder andere Ausschmückung erfunden, die dann dankbar von der Presse aufgenommen werden. Wenn man bedenkt, dass es von ca. einhundert Ex-Mitgliedern nur jene zwei sind, die irgendwelche Horrorstories erzählen, dann sollte klar sein, dass an den obigen Vorwürfen nichts dran ist. Von persönlichen Drohungen oder Unrat vor der Haustür berichten übrigens nicht einmal diese beiden.

Ich hörte, dass neue Mitglieder ihren ganzen Besitz an die Gruppe überschreiben müssen?

Das stimmt nicht. Es gab in den Achtziger Jahren in Berlin einmal das Experiment einer Wohngemeinschaft oder Kommune, in der alle Mitbewohner wirklich alles miteinander teilten. Diese wurde aufgelöst, als die Gemeinschaft 1985 ins Wendland umzog. Obwohl diese Zeit von vielen (besonders ehemaligen) Mitgliedern als sehr interessant und lehrreich beschrieben wird, gibt es derzeit nichts damit Vergleichbares.

Versucht Ihr in Volkshochschulen und ähnlichen Institutionen neue Mitglieder zu werben?

Nein. Natürlich nicht.
Mal im Ernst: ein Word-Kurs wäre dazu auch wirklich sehr schlecht geeignet, oder? Wir arbeiten mit denen zusammen, die sich für unsere Ziele interessieren. Fakt ist, dass auch unsere Mitglieder natürlich Menschen sind, die ihre Brötchen verdienen müssen. Und weil manche Mitglieder gerade im Bereich von Computern und IT-Technologien überdurchschnittliche Fähigkeiten vorzuweisen haben, liegen VHS Kurse zu entsprechenden Themen natürlich nahe. Früher gab es verschiedene Kurse in Volkshochschulen. Aufgrund eines Meditationskurses ist bisher eine Teilnehmerin der (damaligen) EGT beigetreten (und vor Jahren wieder ausgetreten).
wendland-net schreibt:
"[...] wird im aktuellen Programm der Kreisvolkshochschule Lüchow-Dannenberg in Clenze ein Word-Kurs angeboten, der von einem Thelema-Mitglied geleitet wird - ohne jeglichen Hinweis auf die ideologischen Hintergründe des Referenten. Der zuständigen Leiterin der Kreisvolkshochschule Lüchow-Dannenberg Frau Matzker-Steiner war bisher nicht bekannt, daß dieser Referent zur Thelema-Gruppe gehört. Sie werde sich aber um das Problem kümmern, versprach sie wendland-net."
Weshalb bitte sollte man im Falle eines Kurses für eine Textverarbeitung auf den "ideologischen Hintergrund" verweisen? Man kann dem VHS Angebot auch nicht entnehmen, ob die jeweiligen Kursleiter evangelische oder katholische Christen, Moslems oder Buddhisten sind, welcher Partei sie angehören oder welcher Nationalität sie sind.

Betreibt ihr Magie? Rituale? Welchen Zweck verfolgt ihr damit?

Ja, wir betreiben Magie. Was wir wir damit meinen, kannst Du z.B. unter  "Magie für Dummies" oder "Magi(c)k - die thelemische Kunst der Magie" nachlesen. Ein Ritual - als festgelegte Abfolge von Gesten, Worten und Zeichen - stellt dabei den Rahmen dar, in dem wir unsere Kräfte bündeln und Magie wirken können.
Magie ist allerdings nicht nur im Ritual wirksam; "Magie" ist ein Sammelbegriff für völlig normale Vorgänge, die überall auf der Welt und im Leben jedes Menschen stattfinden. Ein gutes Beispiel ist die Homöopathie: ihre Wirksamkeit ist inzwischen sogar von Krankenkassen anerkannt; aber wie sie wirkt kann die Schulmedizin nicht erklären. Wir setzen solche Techniken ein, weil wir selbst erlebt haben, dass sie wirken. Dabei ist unser Ziel - wie immer - die Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit, d.h. ein glücklicheres Leben im Einklang mit sich selbst, anderen und der Welt. So gesehen ist unsere Magie immer "weiße Magie": Magie einzusetzen, um einem anderen Wesen zu schaden, verbietet uns unser Gewissen. Schon allein deshalb wenden wir Magie sehr viel seltener und vorsichtiger an als viele Okkultisten, Heiler und sogar die katholische Kirche.
Wenn ihr also zufällig eine schwarzgekleidete Gestalt auf dem Friedhof trefft, die sich irgendwelchen obskuren Satansanrufungen hingibt, dann ist er kein Thelemit, sondern viel wahrscheinlicher ein betrunkener und/oder durchgedrehter Teenager.

Opfert ihr Tiere oder Blut?

Nein, weder opfern wir Blut noch Tiere. Und das, obwohl uns bewusst ist, dass wir damit erheblich Einschaltquoten verlieren.
Einige Leute glauben, dass sie durch die rituelle Tötung von Lebewesen deren Lebensenergie für sich gewinnen können. Dass diese Ansicht in früheren Zeiten weit verbreitet war, sieht man an den vielen rituellen Opferzeremonien in fast allen Kulturen rund um den Globus (etwa bei den Römern oder Kelten). Die katholische Kirche hat das Ganze dann in symbolische Form umgewandelt (Wein und Oblate -> Leib und Blut Christi).
Unsere Ideale und unser Gewissen verbieten es, Lebewesen für solche Zwecke zu benutzen. Im übrigen kennen wir genug andere Methoden, um uns mit Energie aufzuladen - etwa Meditationen, Chanten, Willensübungen, Bioenergetik, die Liebe zu einem anderen Menschen usw. Smiling

Man hört, dass eure Kinder auch an Ritualen teilnehmen müssen. Stimmt das?

Manchmal fragt man sich, wie verdreht doch die Fantasie von jemandem sein muss, der sich solche Geschichten ausdenkt.
Nein. Weder nehmen bei uns Kinder oder überhaupt Minderjährige an Ritualen teil, noch werden sie sonst in die Gruppenarbeit einbezogen. Im übrigen legen wir Wert darauf, Kindern eine Umgebung zu bieten, in der sie sich ihre religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen selbst bilden können: "Tu was Du willst."

Horrorstories 2 - Sex, Drogen und Gewalt
Die Presse berichtet von Sex- und Alkohol-Orgien?

Wir feiern Symposien, bei denen wir uns an der Idee des Symposions im antiken Griechenland orientieren: entsprechend finden Vorträge, Darbietungen und Diskussionen statt, während das eine oder andere Gläschen getrunken, manchmal getanzt und oft viel gelacht wird.
Da wir sexuell sehr freizügig denken, gibt es keine Einwände gegen sexuelle Betätigungen.

Nehmt ihr irgendwelche anderen Drogen? Crowley soll das ja auch gemacht haben ...

Nein. Crowley hat eine Menge Sachen gemacht, die für uns weder Vorbild, noch weiter interessant sind. Drogen - außer Kaffee und Tabak Smiling - sind in der Thelema Society schon allein deshalb wenig beliebt, weil sie sich auf Denken und Meditation eindeutig störend auswirken.

Was ist dran an den Vorwürfen von Vergewaltigung und Gewalt?

Gar nichts. Wir verabscheuen jede Art von Gewalt. Punkt.

Die Presse berichtet von Sexsklavinnen?

Tja, das ist eine Aussage über die Presse, die schmutzigen Fantasien der Journalisten und die Wirksamkeit solcher Geschichten auf Verkaufszahlen und Einschaltquoten - es ist aber keine Aussage über uns: Wir haben keine Sex-Sklavinnen und wollen auch keine.

Horrorstories 3 - Medien, Justiz und Sektenberatungsstellen
Aber es steht in der Zeitung, wird im Fernsehen gesendet, von Sektenberatern wiedergegeben und ist sogar Grundlage von Gerichtsurteilen. Da muss doch irgendwas dran sein!

Presse und Medien gehorchen leider mehr ihren eigenen Notwendigkeiten, als dass sie der Wahrheit genügen. Ihre Notwendigkeiten heißen: mehr Zuschauer, höhere Auflage, Unterhaltung... Wenn sie die Wahl haben zwischen Sensation und Information, ist die Entscheidung vorhersehbar. "Sex + Crime" verkauft sich einfach besser. Die meisten Leser und Zuschauer sind wenig daran interessiert, eine Geschichte über einige nette Menschen zu lesen, die unaufgeregt an ihrer eigenen Weiterentwickung arbeiten.
Die Presse berichtet leider sehr, sehr viel, was schlicht nicht der Wahrheit entspricht. Wer diese Berichte - die praktisch immer in der gleichen, sensationsbezogenen Weise aufbereitet sind - einmal näher verfolgt, wird feststellen, dass sie annähernd vollständig voneinander abgeschrieben sind.
Ein Beispiel: Vor einigen Jahren gründeten Thelemiten in Salzwedel eine Wohngemeinschaft. Irgendein Lokalblatt titelte dazu 'Sex- und Sauforgien. Sektenzentrum in Salzwedel'. Einige Monate später wurde die WG aufgelöst. Amtskirchliche Informationsstellen erwähnen heute noch gern, dass der Thelema-Orden sein Zentrum nach Salzwedel, Sachsen-Anhalt, verlegt hat und warnen vor der wachsenden Sektengefahr in den neuen Bundesländern.
Dass Sektenberatungsstellen diese falschen Informationen aufnehmen und weitergeben, verwundert nicht - ihnen ist daran gelegen, ein möglichst furchterregendes Bild von uns zu zeichnen, weil sie denken, wir seien gefährlich. Dass die Justiz darauf aufsetzt und Untersuchungen einleitet, ist naheliegend, zeigt aber auch die Gefahren solcher Politik.

MDE, offensichtlich zumindest zeitweilig ein führendes Mitglied der Gruppe, wurde 1991 wegen Vergewaltigung verurteilt. Zeigt das nicht, dass in der Gruppe einiges falsch läuft?

M.D. Eschner wurde von einer damals 28-jährigen Frau beschuldigt, sie im Sommer 1987 vergewaltigt zu haben. An dem Abend, an dem die Vergewaltigung stattgefunden haben soll, waren viele Mitglieder der Gruppe anwesend. Da das Treffen in einem Gemeinschaftsraum stattfand, haben alle Anwesenden erlebt, was an diesem Abend geschah. Keiner der Anwesenden hat eine Vergewaltigung erlebt. Alle Anwesenden wurden als Zeugen geladen und sagten entsprechend aus, dass es keine Vergewaltigung gegeben hatte. Das verurteilende Gericht erklärte dies damit, dass alle Anwesenden dieses Ereignis, weil es so schrecklich war, verdrängt hätten.
Das Urteil ist rechtskräftig und damit eine "juristische Wahrheit". Das hindert uns aber nicht daran, dem eigenen Erleben der Anwesenden einen höheren faktischen Wahrheitsgehalt zuzubilligen als dem Urteil von Richtern, die an dem fraglichen Abend nicht anwesend waren.

Manche eurer Antworten sind ziemlich vage. Es scheint, dass ihr mit Informationen zurückhaltend umgeht.

Das ist richtig. Die Presse versucht aus jeder Äußerung eine sensationelle Perversion herauszulesen, folglich versuchen wir uns entsprechend vorsichtig auszudrücken.

Christentum & Satanismus
Steht ihr dem Christentum feindlich gegenüber?

Nein, überhaupt nicht. Das Christentum ist eine originäre und großartige Religion des vergangenen Zeitalters der Fische. Dennoch wollen wir keine Christen sein, sondern das Neue Äon - das Zeitalter des Wassermann (oder wie wir es ausdrücken: des Horus) - leben.
Was allerdings die Institutionen angeht, welche sich das Christentum auf die Fahnen geschrieben haben angeht, so beurteilen wir sie nach ihren Taten.

Seid ihr Satanisten?

Einige Aspekte von Thelema und Satanismus sind kompatibel und es gibt einige wichtige Unterschiede - also: Nein, uns wird das zwar gern nachgesagt, aber wir sind keine Satanisten, wenn Satanismus etwas bedeutet wie,
Satan zu verehren,
das christliche Konzept von Gott und seinem Widersacher aufzugreifen
Gut und Böse zu vertauschen,
Schwarze Messen zu feiern o.ä.
... für uns spielt das keine Rolle. Wir sind vielmehr der Ansicht, dass der Mensch die Verantwortung für sein Leben selbst übernehmen sollte, anstatt sich einem Gott oder Teufel unterzuordnen.
Wer allerdings unter Satanismus anderes als die Anbetung eines gehörnten Antigottes versteht, wem es vielmehr um Eigenverantwortlichkeit und Selbstbestimmung geht (bereits bei LaVey wesentliche Grundannahmen) ... der weiß es vermutlich eh schon: Thelema ist eine Teufelei bis in die Hufe, äh Füße.
Das ist eine verknappte Darstellung eines von Massenmedien und kirchlicher Machtpolitik bis zur Unkenntlichkeit verzerrten Kampfbegriffs. Wen die Verbindungen und Differenzen genauer interessieren, dem sei das AHA Sonderheft "Thelema und Satanismus" (Okt 03) empfohlen.

Aber Crowley hat sich einmal als Antichrist bezeichnet. Was ist dann davon zu halten?

Die religiöse - thelemische - Ausprägung des Neuen Äons widerspricht in vielen Bereichen dem christlichen Dogma des letzten Äons diametral.
So verehren die Christen einen außerweltlichen (transzendenten) Gott, der allwissend, allmächtig, allgegenwärtig, allgütig und obendrein der Schöpfer der Welt und der Menschheit ist. Der Mensch existiert nur von Gnaden Gottes und ist immer von seiner Gnade abhängig. Thelema lehrt hingegen, dass jeder Mann und jede Frau ein Stern ist, Mitglied der Gesellschaft des Himmels, und Götter nur größere Sterne sind. Thelema lehrt: Homo est Deus, der Mensch ist Gott, es gibt keinen qualitativen Unterschied, sehr wohl jedoch quantitative. Es ist eine Frage willentlicher Entwicklung, dass Mensch zu Gott wird.
Für einen Christen ist diese Lehre natürlich ultimate Blasphemie. Crowley erkannte dies früh und nannte sich folglich "Antichrist". Man muss aber sehen, dass dies nur aus der Perspektive des Christentums richtig ist: Crowley ist genauso Gegenpart (Anti) der Christen wie Jesus Gegenpart (Anti) der Juden war - beide Propheten eines jeweils neuen Äons.
Kurz: Natürlich ist für einen Christen der Antichrist der Teufel. Sieht man von der christlichen Perspektive einmal ab, ist Crowley jedoch nur der Prophet eines anderen Äons.

Kontakt
Ich habe noch ein paar Fragen - wie kann ich mich mit der Thelema Society in Verbindung setzen?

Z.B. über einen der Ansprechpartner?

Wenn du dich für eine Mitgliedschaft in der TS interessierst, findest du hier weitere Informationen: "Was sind die Kreise der TS?"

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