Follow your Bliss! - Vortrag Teil III

Die Phasen der Heldenreise

Ich möchte jetzt noch einmal kurz die Phasen der Heldenreise vorstellen.

Die Ausgangssituation

Der Held und seine Welt: das Leben im Ödland

Das Ödland ist genau genommen der normale Alltag. Er ist geprägt durch die ansozialisierte Ich-Identität. Da eine der Funktionen nicht integriert ist, lebt der Mensch nur auf "halber Flamme". Oder wie das Liber Legis sagt: "... Sie fühlen wenig; was ist, ist durch schwache Freuden ausgeglichen …"
Es ist der Status Quo, "Zu-Stand", die Welt, die statisch bleiben soll, ohne Offenheit, Lernwillen und Wachstum - die Welt, in der jeder ein unauthentisches Leben lebt. Das Unbekannte, Andere, Fremde ist nicht gewünscht.
Es ist die körperliche, emotionale, geistige und seelische Wüste, in der der Held lebt

Störung des Status Quo

Im wesentlichen gibt es zwei Möglichkeiten, die den Beginn der Heldenreise ermöglichen. Zum einen ein plötzliches Ereignis wie ein Tod eines geliebten Menschen, ein Auftrag, eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, ein Unfall, ein Verbrechen oder ähnliches. Es braucht einen Helden, um die Welt wieder in das rechte Lot zu bringen.
Zum anderen kann es auch einfach der triste Alltag sein, die Aneinanderreihung von vielen kleinen Misserfolgen. Oder die Erkenntnis, dass die Träume der Jugend für immer verloren sind, wenn man an seinem Leben nichts ändert. Diese Träume melden sich als Sehnsucht und sind nicht mehr einfach wegzuwischen und zu ignorieren.

Auf jeden Fall wird der Frieden des Status Quo empfindlich gestört.

Die ersten Reaktionen

Die erste Reaktion des Helden ist Panik. Das Ich will keine Veränderung, da es befürchtet, zerstört zu werden.
Die zweite Reaktion des Helden: Er weigert sich. Seiner inferioren (traumatisierten) Funktion gemäß begründet er seine Weigerung unterschiedlich. Z. B. wenn:

  • Kopf inferior: Damit kenne ich mich nicht aus. Der Held verwendet seine Denkkapazitäten darauf, wie er einer Lösung des Problems aus dem Weg gehen kann, um im Status Quo zu bleiben.
  • Herz inferior: Was geht mich das an? Sollen sich doch andere darum kümmern.
  • Hand inferior: Das ist mir zu gefährlich. Er setzt alles daran, einer Konfrontation aus dem Weg zu gehen.
  • Geist inferior: Ich bin nicht gemeint, sie verwechseln mich.

Nach dieser anfänglichen Weigerung kommt etwas, das man den Ruf nach dem Selbst nennen kann. Entweder in Form eines Beraters, Freundes oder Mentors oder in Form einer inneren Stimme. "Hey, du kannst dich doch nicht einfach weigern. Unternimm etwas!".

Das Dilemma

Wenn sich der Held aufrafft, diesem Rat oder der Stimme zu folgen, ist der nächste Schritt immer noch nicht der Beginn der eigentlichen Heldenreise.

Einerseits ist die Ganzwerdung eine Verlockung, andererseits fühlt sich der Held zu schwach, den Kampf aufnehmen zu können. - ein Dilemma
So versucht er zunächst, den Auftrag an jemand anderen zu delegieren. Er will sich dem Trauma der Vergangenheit nicht stellen. Ein anderer soll den Bösen erledigen, der für diese Aufgabe besser geeignet ist als er selbst. Das kann die Polizei, ein Psychotherapeut, der Eheberater oder sonst ein dem Fall angemessener Spezialist sein.

Der Held gelangt in eine Zwischenwelt. Nicht mehr ganz Status Quo, aber noch nicht Heldenreise: Halbherzigkeit.

Der Ersatzmann

Aber diese Zwischenwelt lässt sich nicht lange aufrecht erhalten. Im Film wird hier oft in der Figur des Ersatzmannes eingeführt. Ihm passiert das, was dem Helden passiert, wenn er nicht kämpft. Zum Beispiel wird der Partner des Helden getötet oder verwundet. Die Auseinandersetzung wird härter. Die Umstände erinnern an das Trauma der Vergangenheit.

Die Reaktion des Helden ist Betroffenheit. Es wird ihm klar, dass er mit der Sache etwas zu tun hat. Das Ereignis setzt eine Ahnung der verdrängten Qualität des Helden frei. Und Held spürt: "Wenn ich jetzt nicht aktiv werde, kann ich nicht mehr guten Gewissens in den Spiegel gucken."

Die Entscheidung

Der Held fasst nun den Entschluss, den Kampf aufzunehmen. Sobald er ihn gefasst hat, tritt jemand auf und sät Zweifel. Im Film ist es oft der Vorgesetzte. Er ist der Gegenpart zum Mentor oder der inneren Stimme und ein Kleingeist und Spießer. Er ist beruflich erfolgreich und meint, dem Helden sagen zu können, wo es lang geht. Der Held hält an seinem Entschluss fest und beginnt seine Reise. Im Film wird der Beginn der Heldenreise oft dadurch symbolisiert, dass sich der Held in ein fernes Land begibt.

Instrument der Kraft

Vor der Konfrontation mit dem Dämon findet der Held sein Instrument der Kraft, das er braucht, um auch gegen Widrigkeiten und Widerstände seiner Freude, seinem Ruf zu folgen und um die nötige Kraft und Zuversicht für die Konfrontation aufzubringen.
Dieses Element symbolisiert eine Kraft, die tief im Innern des Helden verborgen ist, von der der Held zu diesem Zeitpunkt noch nichts ahnt. Diese Kraft muss sich ihren Weg ins Bewusstsein des Helden bahnen und wird deshalb oft durch ein tatsächliches physikalisches Objekt symbolisiert, ein magischer Gegenstand, den der Held auf seine Reise mitnehmen muss.
Wenn der Held sehr idealistisch und utopisch ist, dann hat das Instrument der Kraft vielleicht etwas Erdendes an sich. Oft drückt es die Seite der Psyche aus, zu der wir keinen Draht haben, die aber der Schlüssel ist für die Vereinigung von Held und Dämon.

Der Kampf mit dem Dämon

Denn der Dämon nicht außerhalb des Helden, sondern in ihm selbst.

Wie schon gesagt, zeigt er sich im Festklammern an erstarrten Verhaltensmustern, dem eigenen unverrückbaren Standpunkt.
Er lässt rechthaberisch keine Kritik zu, keine Flexibilität, kein Verständnis für den anderen Standpunkt.
Es ist die Angst vor dem Unbekannten, Neuen, dem als irritierend, kritisierend, lästig, destruktiv oder böse wahrgenommenen Anderen.

Es ist das Ich-Bewusstsein, das eine Heidenangst vor dem unbewussten, verdrängten Trauma hat.

Deshalb besteht die Heldenreise darin, die traumatisierte Gabe aktiv anzuwenden.

Oder anders ausgedrückt: Du musst den Dämon mit deiner inferioren Funktion besiegen, zum Beispiel:

  • wenn dein Herz traumatisiert ist: indem du ihm Zuneigung entgegen bringst.
  • wenn deine Hand traumatisiert ist: indem du ihm einen Schlag versetzt.
  • wenn dein Kopf traumatisiert ist: indem du ein komplexes Rätsel löst.

Scharlatane versprechen, dass kein Kampf gegen innere Dämonen nötig ist, sondern das Böse außen. Das Trauma wird nach außen projiziert. So geht die Veräußerung immer weiter, die superiore Gabe wird immer dominanter, die inferiore Gabe immer schwächer. Bei einem solchen (un-)heiligen Krieg geht der Sinn der Heldenreise verloren und kehrt sich um in eine Bestätigung des Ich.

Denn der Dämon, der Widersacher ist nicht außen, sondern in dir. Sicher wirst du "außen" etwas tun müssen, z.B. Menschen positiv gegenüber treten, praktische Handlungen konsequent durchführen oder strategisch-taktische Pläne entwerfen, aber der Kampf, die Überwindung findet in dir statt. Dein Dämon wird alle Register ziehen, um dich davon abzuhalten, die neue Verhaltensweise zu zeigen.

Auch wenn du dich der Herausforderung gestellt hast, wenn du gezielt all deine Gaben entwickelst und stärkst, wirst du noch Stärken und Schwächen haben. Die "Gaben im Gleichgewicht" heißt, alle Gaben zu entwickeln, so dass sie dir zur Verfügung stehen, wenn du sie brauchst. Dann brauchst du vor keiner Aufgabe davonzulaufen, die sich dir auf deinem Weg stellt, sei es, etwas zu lernen, sei es zu lieben, sei es zu handeln und zu realisieren, sondern wirst sie nach deinem Willen meistern.

Meisterschaft der Gaben, ein ganzheitliches Leben ist eine der schwersten Aufgaben, die sich ein Mensch vornehmen kann.
C.G. Jung: Das höchste Ziel der menschlichen Entwicklung ist die Wiederentdeckung und dann die Befreiung und Wiederinbesitznahme der Seele.

Es ist eine Kunst, die ständiges Üben in allen Bereichen des Lebens erfordert. Der Gewinn ist ein wertvolles Leben von hoher Intensität - eben: Leben!

Wie zeigt sich die Meisterschaft in den einzelnen Funktionen:

  • Kopf - intensives Lernen: Lebe so, als wäre alles, was du weißt und kannst, in drei Jahren veraltet.
  • Herz - unbedingte Wahrhaftigkeit: Lebe so, als könnte jeder Mensch, egal wo er ist, immer deine Gedanken lesen.
  • Hand - aktive Gesundheit: Lebe so, als wärst du soeben nach dem zweiten Herzinfarkt aus dem Krankenhaus entlassen worden.
  • Geist - dein Leben mit Sinn erfüllen: Lebe so, als müsstest du alle drei Monate vor ein Totengericht treten - und dort würde darüber entschieden, ob du weiterleben darfst.

Geschafft? Nein, natürlich kann man hier keine Perfektion erreichen. Der Meister der Gaben strebt danach so zu leben. Er weiß, dass er Vollkommenheit nie erreichen kann, aber er wird immer besser.

Wenn du das von dir sagen kannst:

Gratuliere, du bist ein Held!