Follow your Bliss! - Vortrag Teil II

Die Heldenreise

Was bedeutet nun, dass der Held auf eine Entwicklungsreise geht?

Diese Reise ist eine tiefgreifende, charakterliche Wandlung eines zunächst durchschnittlichen, manchmal kranken Menschen, eines Menschen, der etwas ganz Wichtiges über sich zu lernen hat, eine Reise die letztlich zu Erfüllung, Glück und Frieden führt.

Dies gelingt über die Rückeroberung der traumatisierten Funktion. Je nach Trauma ist dem Menschen eine andere Funktion geraubt worden, und diese muss nun wiedererobert werden, um ein vollständiges Selbst bzw. die paradiesische Seinsweise zu erlangen.

Es ist eine Seinsweise, in der der Mensch als ganzer, heiler Mensch leben kann, indem er all seine Funktionen: Hand, Kopf, Herz, Seele/Geist entwickelt hat und lebt.

Diese Funktionen oder Gaben haben folgende Zuordnungen:

  • Kopf: Denken, Analysefähigkeit, Gedächtnis, Weisheit, Vernunft
  • Hand: Sinneswahrnehmung, Empfindung, Willenskraft, Körper, Mut, Durchhaltevermögen
  • Herz: Fühlen, Emotion, Ethos, Wertempfinden, Einfühlungsvermögen, Beziehungsfähigkeit, Sensibilität und Zärtlichkeit, Größzügigkeit
  • Geist: Seele, spirituelle Ebene, Intuition, Anwesenheit des Göttlichen in uns, Fantasie, Spontaneität, Kreativität, Humor, innere Ruhe

Das Paradies ist eine Welt, in der Gegensätze oder Unterschiedliches harmonisch in einer Einheit leben, keine Polarisierung, keine Ausgrenzung

Bilder dafür sind der Hermaphrodit, aber auch Mann-Frau in der Vereinigung (Yin-Yang), Mutter-Kind

Das Ideal einer glücklichen Kindheit wird auch als Beispiel gesehen:
umsorgt, geliebt werden, spielerisch sich die Welt aneignen, neugierig, offen, vertrauensvoll auf die Welt zugehen.

Jedenfalls ist das Paradies kein materieller Ort in Raum und Zeit, sondern eine Lebensweise, dann wenn man nichts von sich abspaltet, nicht hasst oder trennt, sondern liebt.

Es wird als natürlicher, authentischer Zustand gesehen, zu dem jeder Mensch sich zurücksehnt, den er wieder erlangen will.

Trauma ist definiert als der Verlust eines Teils der Ganzheit, konkret von Kopf, Herz oder Hand, wodurch die Seele auf jeden Fall mit geschädigt bzw. geraubt wird.

Wenn der Mensch ins Leben hinausgeht, also irgendwann im Laufe seines Heranwachsens, wird ihm früher oder später, jedenfalls irgendwann unvermeidlich der erste feindliche Wind ins Gesicht wehen, er wird sein erstes Trauma erleben.

Traumatisierung der körperlichen Funktion/Hand

Beispiele: schwere Verwundung/Krankheit, Vergewaltigung, eine lebenswichtige Sache nicht verhindern können/nicht handeln können, Folter

Symptome/Folgen: Schwäche, Angst, Handlungsunfähigkeit

Traumatisierung der Denk-Funktion/Kopf

Beispiele: zu starke väterlich-männlich-geistige Beeinflussung durch Einseitigkeit, Askese, Disziplin, Zucht und Ordnung, Sauberkeit, Gehorsam, Puritanismus und Rechthaberei

Symptome/Folgen: religiöser Fanatismus, Geisteskrankheit, Wahnsinn - hierfür werden meist keine Ursachen genannt, Verleugnung, Amnesie, aktive Verdrängung (ist mehr als Vergessen), Dummheit: Überzeugung von der uneingeschränkten Richtigkeit des eigenen Standpunkts, diese Art von Dummheit kann sich also auch in einseitiger, übertriebender Intellektualität und Gelehrtheit zeigen dann wird der Kopf überhöht und Herz und Körper zu verteufeln

Traumatisierung der Herz-Funktion

Beispiele: Liebe des Lebens verlieren, betrogen, verlassen werden, Mutter oder Vater früh verlieren - begehen Selbstmord, werden vor den Augen des Kindes umgebracht, ein Kind verlieren

Symptome/Folgen: ständig scheiternde Beziehungen, Einsamkeit, paranoides Misstrauen, krankhafte Eifersucht, Partner erniedrigen, missbrauchen,
Egoismus, ohne Mitgefühl, Immoralität, Zynismus

Schädigung der Seele/Geist-Funktion

Beispiele: Traum wird zerstört: dem Helden wird nicht erlaubt, der zu werden, der er ist oder im Begriff war zu werden, Eltern, Gesellschaft, Erziehungssystem produziert Roboter, Marionetten, großen Druck auf Kinder ausüben, weil sie so werden sollen wie die Eltern, Vater wollte Jungen, bekommt Mädchen und behandelt es wie einen Jungen

Symptome/Folgen: Spießer, ängstlicher Festklammerer am Status quo, sich über Anti/Naki zu Eltern definieren, Funktionalisieren, Instrumentalisieren, Drogensucht, Selbstmord

Die Geburt des Ich

Das Ich ist die als Reaktion auf das Trauma entwickelte Persönlichkeit. Es hat eine wichtige Schutz- und Kontrollfunktion, ein Filter, der uns davor schützen soll, sensorisch überstimuliert und von allerlei Input aus dem Inneren oder von außen überschwemmt zu werden.

Die Kehrseite sind allerdings Tunnelrealitäten, Vorurteile, festgefahrene Meinungen.

Ohne das Ich können wir also nicht existieren, aber es führt zu einem unglücklichen Dahinvegetieren, vielleicht noch mit einer gewissen Zufriedenheit, wenn wir uns voll und ganz mit dem Ich identifizieren, wenn wir sagen, ich bin so, das ist mein Charakter und wenn wir unser Trauma, das dem Ich zugrundeliegt, nicht sehen wollen.

Wir brauchen also das Ich, seine Schutz- und Kontrollfunktion, aber wir müssen uns das Trauma bewusst machen, dürfen nicht Opfer von festgefahrenen Vorurteilen werden, müssen uns bewusst sein, dass es auch anders sein könnte, dass ich und andere sich verändern können, dass ich sie verstehen und von ihnen lernen kann. Dann werde ich immer noch ein Ich haben, aber es ist im Fluss und ich kann mich nach meinem Willen erschaffen. Insofern können wir sagen, es gibt ein Prä-Heldenreise-Ich und ein Trans-Heldenreise-Ich.