Mit Tanz Leiblichkeit erfahren
Wozu könnte dieses Thema für Dich als Thelemit wichtig sein?
Wenn Du Mittel dazu beherrschst, Deine Gefühle bewusst gestalten zu können und dies tatsächlich umsetzt, dann wirst Du damit anfangen können, Dich selbst zu erschaffen und Deine Umgebung zu gestalten. Deine Handlungsmöglichkeiten werden dadurch vervielfältigt.
Kurz: du wirst freier werden 
Leiblichkeit
Viele Menschen sind heute der Meinung, dass wir aus Körper & Seele bestehen und trennen diese auch scharf von einander ab. Sicherlich sind auch Körper und Seele nicht desgleichen, dennoch sind sie eng mit einander verbunden und von einander abhängig. Für das Menschsein ist eben dieses „Zusammenspiel“ notwendig. Ich nenne das Umfassende, was den Körper und Seele (oder wie man es nun nennen/verstehen mag) verbindet, und es uns möglich macht, uns als ganzheitliche Menschen zu erfassen, den Leib. Durch unseren Leib erleben und verstehen wir uns und die Welt. Deshalb können wir auch sagen, dass wir Leib sind.
Um uns selber näher zu erfahren und letztendlich uns selber gestalten zu können, ist es wichtig, dass wir lernen, uns zu erfahren als das, was wir sind und nicht nur ein Teil davon. Klar ist, dass wir nicht alles gleichzeitig erfahren können, aber wir können uns auch nicht nur auf ein Teil von uns reduzieren. Z.B. uns nur nach dem Körper orientieren, ohne die Emotionen oder inneren Vorstellungen, Denken und Wünsche mit zu berücksichtigen.
Um unseren Leib zu erfahren, müssen die meisten von uns es erst üben. Letztendlich kann eine Leiberfahrung sehr unterschiedlich sein und es gibt viele Wege und Mittel dazu, wie sie zu erfahren ist.
Das Mensch-sein bedeutet Leib-lich-sein.
Um leiblicher (und somit auch menschlicher) zu werden, müssen wir üben „uns vielfältiger“ zu sehen mit allen unseren Möglichkeiten, die dazu gehören, und diese in eine Einheit bringen.
Tanz & Leiblichkeit
Tanz ist ein geeignetes Mittel, durch das Leiblichkeit erfahren werden kann.
Eine Leiberfahrung ist in sich „stimmig“, d.h. die verschiedenen Teile von mir agieren zusammen, um das Höchstmögliche von mir zu erfahren/oder vermitteln. Im Tanz können wir diese „Stimmigkeit“ konkret beobachten, indem z.B. Körperhaltung, persönlicher Ausdruck des entsprechenden Gefühls und die passende Bewegung dazu übereinstimmen. Oft kommen hierzu auch Musik oder Raum/Bühnengestaltung dazu, um diese einheitliche Stimmung zu verstärken.
Wenn z.B. nur spezielle Tanzformationen durchgeführt werden ohne ein passendes Gefühl dazu, ist es schwierig, sich davon begeistern zu lassen.
Im Tanz beobachten wir Indizien der Leiblichkeit, indem wir unter anderem das Gefühl, die Ausführung und Auswahl der Bewegung mitberücksichtigen.
Um es deutlicher zu veranschaulichen, nehmen wir die Begriffe Kraft & Form als Hilfe:
Kraft & Form brauchen wir für alles, was wir tun. Im Tanz ist es auch nicht anders:
Es braucht eine Form, z.B. ein Körperausdruck oder Choreografie, damit wir es deuten und verstehen können. Aber genau wie Form ohne Kraft leer ist, ist bloße Schrittkombination oder Tanztechnik ohne emotionalen Ausdruck/Intensität und passende Stimmung „leer“, langweilig und nichts sagend.
Genau wie Kraft ohne Form blind ist, ist z.B. eine Emotion ohne die passende Haltung oder Bewegung nichts anderes als irgendein unreflektierter Zufallsausdruck.
Erst wenn Kraft & Form in Harmonie gebracht werden, entsteht ein einheitlicher Eindruck, und auch eine ganz andere Empfindung, was ich überspitzt erst Leiberfahrung nenne. Überspitzt deshalb, weil die Leiblichkeit nicht da erst anfängt, aber uns hier erst bewusst erfahrbar wird.
Der Kunst ist nun dabei das angemessene Maß zwischen diesen beiden Polen zu „finden“ „dass es stimmig wird“. Diese Erfahrung kann denn so sein, dass man sich als eine Einheit erlebt, ohne Widersprüche in sich, die verschieden Ebenen von uns „arbeiten“ als eins.
Eine der Künste der Leiblichkeit ist es
das richtige Maß an Kraft und Form in eine Einheit zu bringen.
Wir können es auch anders erklären …
Das was ich Leiberfahrung nenne, umfasst Kopf, Herz und Hand. Wir Menschen leben grundsätzlich in allen 3 dieser Bereiche, aber die meisten Menschen haben ein oder zwei überwiegende Bereiche, nach denen sie ihr Leben ausrichten. Ein oder zwei dieser Bereiche werden oft vernachlässigt, was darin resultiert, dass keine ganzheitliche Selbsterfahrung gemacht werden kann.
Unter folgenden Begriffe verstehe ich:
Kopf – Denken /Reflexion
Herz – Gefühle/Stimmung/Intuition
Hand – Tat/Umsetzung/Handeln
Um heraus zu finden, ob Du dich überwiegend vom Kopf, Herz oder Hand leiten lässt, kannst du dich fragen, wie du in einer bestimmten Situation handeln würdest, wenn du vor einer Aufgabe stehst, die du zu bewältigen hast. Hier ein Beispiel:
Du hast von einem Freund ein neues Computerspiel bekommen, von dem du keine Ahnung hast, wie es funktioniert. Wie gehst du vor?
1. Du fängst an, das Manual zu lesen, bis du die verschiedenen Funktionen und Optionen verstanden hast.
2. Du fängst sofort damit an, allein auszuprobieren, spielst also los.
3. Du fühlst dich frustriert und fragst einen Freund um Hilfe.
Wenn du ein typisches Muster bei dir gefunden hast, dann kannst du anfangen dich zu fragen, was du tun könntest, um die „fehlenden“ Bereiche in dein Leben mehr zu integrieren. Prinzipiell kann man dies bei jeder Handlung oder Entscheidung überprüfen. Auch im Tanz ist es von Bedeutung, die drei Bereiche zu berücksichtigen, denn wer vermag z.B. einen Tanz anzuschauen, wo das Herz der Tänzer „fehlt“?
Es gibt auch „Misch-Typen“. Eine mögliche Kombination wäre:
Beispiel 1: (Überwiegend Kopf/Herz)
"Der Visionär". Das wäre z.B. ein charismatischer Redner, der gut durchdachte Projekte vorlegt und davon auch Menschen begeistern kann, aber nie zur praktischen Verwirklichung übergeht bzw. wenn er es doch tut, scheitert er an der Taktik, die man ja nur durch Handeln lernt. Seine Planungen liegen deshalb immer etwas neben der Realität. Viele Politiker fallen in diese Kategorie.
Beispiel 2: (Überwiegend Herz/Hand)
"Der Spontanist". Ein emotionaler, temperamentvoller Aktivist, ein spontan seine Gefühle handelnd ausdrückender Mensch, der aber, eben wegen der Herz-Steuerung, selten ein Projekt zu Ende führt, denn inzwischen können seine Gefühle sich gewandelt haben. Sein Handeln hat immer etwas Chaotisches, weil es eben nicht geplant ist. Viele Künstler fallen in diese Kategorie
Beispiel 3: (Überwiegend Kopf/Hand)
"Der Techniker". Ein perfekter Techniker, der alles erklären, aber das Publikum nie mitreißen kann. Viele Wissenschaftler und Ingenieure fallen in diese Kategorie.
(Ihm wird die Intensität fehlen, die Fähigkeit sich/andere zu motivieren und begeistern zu lassen.)
Zu einer Leiberfahrung gehören Kopf, Herz & Hand.
Du selbst kann lernen, alle diese 3 Bereiche, je nach Situation, für dich sinnvoll anzuwenden.
Das Zusammenspiel von Gefühl und Körperhaltung in Tanz & Alltag
Wenn unsere Absicht ist, uns selbst gestalten zu wollen, selbst über unsere Gefühle zu bestimmen, dann kann Tanz ein hervorragender Weg sein, dies zu erlernen…. Nicht weil eine Körperhaltung zwangsläufig mit einem bestimmten Gefühl zusammenhängt, sondern weil es einfacher sein kann, bestimmte Gefühle in bestimmten Haltungen/Bewegungsmustern zu empfinden. Probiere es aus: stelle dir vor, wie du in einer zusammengezuckten Haltung Glück empfindest oder wie du dich stolz streckst mit den Armen hoch zum Himmel mit einem Lächeln im Gesicht und versuchst dabei Angst zu empfinden – das wird für die meisten nach einer Weile schwierig!
Tanztraining kann ein Mittel sein zu lernen mit den Körper umzugehen, neue ungewohnte Haltungen und Bewegungen einzuüben und somit ein größeres Repertoire für den Alltag zu gewinnen. Natürlich ist Tanz nicht der einzige Weg, diese neuen Verhaltensmuster zu erlernen.
Wer das Prinzip verstanden hat, dass Emotionen wohl damit zusammenhängen, wie wir uns bewegen, und dass unsere Erscheinung/Haltung auf andere Auswirkung haben, kann dies selbst in jeder Situation im Alltag ausprobieren und umsetzen. Ein anschauliches Beispiel ist die Durchführung eines Ritual: wie wirkt ein Ritual, wenn ich mich stolz und aufrecht hinstelle? Was ändert sich, wenn ich mich anders hinstelle? Auch im Alltag unter Menschen kann ich damit experimentieren. Wie wirkt meine Person auf anderen? Welche Position nehme ich ein, wenn ich ein Vorstellungsgespräch habe, oder wenn ich einen Freund zu verstehen versuche? Vielleicht kann dies etwas zu meinem Erfolg beitragen.
Durch Ausdruckstanz können wir neue Möglichkeiten lernen, unsere Gefühle zum Ausdruck zu bringen.
Auch können wir dadurch ein größeres Spektrum an Körperhaltungen gewinnen und diesen einen bestimmten Ausdruck geben, der unserem gewünschten Gefühl entspricht.
Viel Erfolg!
von Jenny
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