Zur Navigation springen
Startseite

Der Zarathustra - Kommunikation mit den Göttern

Vielleicht wundert sich der ein oder andere Leser, weshalb ein Werk, das sich von den anderen heiligen Büchern darin unterscheidet, dass es keine Offenbarung eines Gottes oder seines Sohnes oder seiner Boten ist, hier in die Reihe der heiligen Bücher aufgenommen wird.

Der Grund ist, dass der Zarathustra ein inspiriertes Werk ist. Was meine ich damit? Ich meine, dass die Botschaft des Zarathustra Ausdruck einer Kommunikation mit den Göttern des neuen Äons ist. Allein der Inhalt ist überzeugend. Dieses Werk inspiriert und zeigt Wege zum neuen Äon. Darüber hinaus sind auch die Berichte über die Entstehung des Werkes Indizien dafür, dass Nietzsche es nicht in einem Zustand normalen Alltagsbewusstseins geschrieben hat.

Die vier Teile entstanden, was ihre endgültige Niederschrift angeht, in unglaublich kurzer Zeit. Nietzsche spricht in Ecce Homo und in seinen Briefen von ‚Zehn-Tage-Werken' und davon, dass der ‚Zarathustra eine Explosion von Kräften' sei, die ihn ‚überfiel'. Er beschreibt den Vorgang von Inspiration oder Offenbarung: "... daß plötzlich, mit unsäglicher Sicherheit und Feinheit, etwas sichtbar, hörbar wird, etwas, das einen im Tiefsten erschüttert und umwirft ... Man hört, man sucht nicht; man nimmt, man fragt nicht, wer da gibt; wie ein Blitz leuchtet ein Gedanke auf, mit Notwendigkeit, in der Form ohne Zögern, - ich habe nie eine Wahl gehabt."

Woher der Titel "Also sprach Zarathustra"?

Mit den Lehren des Zarathustra (griech. Zoroaster), des altiranischen Religionsstifters und Propheten (630-550 v. Chr.), hat Nietzsches Werk, obwohl es dessen Namen trägt, nichts gemein. Nietzsche wollte vielleicht durch einen großen mythischen Namen anzeigen, dass sein Werk ein religiöses Ziel hat, prophetisch ist. Auch zur Bibel gibt es Parallelen: Wie Jesus begibt sich Zarathustra dreißigjährig in die Einöde der Gebirge. Er bleibt dort zehn Jahre lang. Dann kehrt er zu den Menschen zurück und verkündet seine Lehren.

Nietzsche selbst hatte sein Werk einmal so beschrieben:

"Es ist eine ‚Dichtung', oder ein fünftes ‚Evangelium' oder irgend etwas, für das es noch keinen Namen gibt, bei weitem das Ernsthafteste und auch das Heiterste meiner Erzeugnisse und jedermann zugänglich."

Der für Nietzsche wesentliche Unterschied seines Zarathustra zu einem typischen Religionsstifter oder Propheten besteht darin:

"Hier redet kein Fanatiker, hier wird nicht ‚gepredigt', hier wird nicht Glauben verlangt."

Ein schönes Beispiel für die Art des Glaubens, des Nach-Folgens der Jünger, um die es Zarathustra geht, ist die folgende Passage:

"Allein gehe ich nun, meine Jünger! Auch ihr geht nun davon und allein! So will ich es. Geht fort von mir und wehrt euch gegen Zarathustra! Und besser noch: schämt euch seiner! Vielleicht betrog er euch. 

Der Mensch der Erkenntnis muß nicht nur seine Feinde lieben, er muß auch seine Feinde hassen können. Man vergilt einem Lehrer schlecht, wenn man immer nur der Schüler bleibt. Und warum wollt ihr nicht an meinem Kranze rupfen?

Ihr verehrt mich, aber wie, wenn eure Verehrung eine Tages umfällt? Hütet euch, daß euch nicht eine Bildsäule erschlage!

Ihr sagt, ihr glaubt an Zarathustra? Aber was liegt an Zarathustra! Ihr seid meine Gläubigen, aber was liegt an allen Gläubigen!

Ihr hattet euch noch nicht gesucht: da fandet ihr mich. So tun alle Gläubigen; darum ist es so wenig mit allem Glauben. Nun heiße ich euch, mich verlieren und euch finden; und erst, wenn ihr mich alle verleugnet habt, will ich euch wiederkehren ..."

Die zentralen Aussagen des Zarathustra

Ähnlich wie das gnostische Werk "Thomasevangelium" hat auch der Zarathustra die Botschaft, dass der Mensch sich aus eigener Kraft - nicht aus einem Gnadenakt - selbst vervollkommnen kann und soll.

Nietzsche nennt die "Spezies nach dem homo sapiens" im Zarathustra den Übermenschen, den der über-den-Menschen-hinaus-strebt (homo superior). Die zentrale Forderung des Zarathustra ist: Mensch - entwickle dich zum Übermenschen.

Sich über den Menschen wie er jetzt ist, hinaus zu entwickeln, bedeutet aber die Notwendigkeit der Unsterblichkeit. Denn alles, was der Mensch im Rahmen dieses irdischen Lebens erreichen kann, wäre eben nicht "übermenschlich". Der Mensch ist also aufgefordert, Unsterblichkeit anzustreben und zu erlangen - eine zutiefst neuäonische Forderung.

Zur Entwicklung zum Übermenschen gehört für Nietzsche auch ganz klar "die Umwertung aller Werte". Es gibt keine Werte mehr, die einfach ungefragt übernommen und befolgt werden dürfen. Beschränkung und Anpassung, falsche Bescheidenheit und Demut, das ist es, wogegen Nietzsche/Zarathustra ins Feld zieht - auch dies eine zutiefst neuäonische Forderung.

Das zweite zentrale Thema des Zarathustra ist die ewige Wiederkunft des Gleichen oder auch das "Dionysische".

Der Gedanke der ewigen Wiederkunft des Gleichen ist die äußerste Bejahung dessen, was war, dessen was ist, und dessen was wird. Diese Bejahung oder Liebe des Schicksals nennt Nietzsche auch "amor fati". Ein Mensch, der dieses Konzept wirklich verstanden und angenommen hat, nimmt einen Blick auf die Welt und das Leben ein, der unbedingt konstruktiv ist. Die ewige Wiederkunft des Gleichen wirkt wie eine Zauberformel. Denn ein Mensch, der begreift, dass er den Moment, den er gerade erlebt, endlos oft wieder erleben wird, ist nicht mehr daran interessiert, sich selbst als unglücklich oder hilflos zu erleben. Und das gilt natürlich auch für seine Rekonstruktion der Vergangenheit und für seine Erwartungen an die Zukunft.

Nietzsche schreibt in Ecce Homo:

"Zarathustra ist ein Tänzer -: wie der, welcher die härteste, die fruchtbarste Einsicht in die Realität hat, welcher den 'abgründlichsten Gedanken' gedacht hat, trotzdem darin keinen Einwand gegen das Dasein, selbst nicht gegen dessen ewige Wiederkunft findet, - vielmehr einen Grund noch hinzu, das ewige Ja zu allen Dingen selbst zu sein, 'das ungeheure unbegrenzte Ja- und Amen-sagen' ... ' in alle Abgründe trage ich noch mein segnendes Jasagen' ... Aber das ist der Begriff des Dionysos ..."

Und:

"Die Vergangenen zu erlösen und alles "Es war" umzuschaffen in ein "So wollte ich es!" - das hieße mir erst Erlösung."

  • Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben
  • Startseite
  • Bibliothek
  • Veranstaltungen
  • Mitglieder
  • Weblogs
  • Wir über uns
  • Oraculum
  • FAQ
  • Sitemap
  • Impressum
  • Thelema
  • Liber L vel Legis
  • Rituale-Meditation
  • Leiberfahrungen
  • Heilige Bücher
  • Bibliotheks-Archiv
  • Zitatsammlung

Beliebte Links ...

Beliebte Inhalte

Heute:

  • Herzlich Willkommen
  • Die Göttersteine
  • Wir über uns ...
  • Bibliothek
  • Der Kreis Ankh Mar
  • Der Weg des Thelemiten
  • Übungen zum Buch: Der Weg des Thelemiten

Insgesamt:

  • Herzlich Willkommen
  • Wir über uns ...
  • Bibliothek
  • Oraculum
  • Was sind die Kreise der TS?
  • Der Weg des Thelemiten
  • Die Göttersteine

Thelema-Society Newsletter

Immer auf dem neuesten Stand bleiben!

TS - RSS Newsfeeds

Inhalt abgleichen

Bookmark and Share

Benutzeranmeldung

Einloggen/Registrieren
  • Registrieren
  • Neues Passwort anfordern

What's new?

Neue Beiträge
  • Juli-Orakel 2010
    Seba-u mut
    vor 4 Wochen 4 Stunden
  • Juni-Orakel 2010
    Seba-u mut
    vor 8 Wochen 5 Tage
  • Das Liber L vel Legis Lernprogramm
    Steven
    vor 9 Wochen 3 Tage
  • Mai-Orakel 2010
    Seba-u mut
    vor 13 Wochen 22 Stunden
  • April-Orakel 2010
    Seba-u mut
    vor 17 Wochen 6 Tage
  • März-Orakel 2010
    Seba-u mut
    vor 22 Wochen 1 Stunde
  • Februar-Orakel 2009
    Seba-u mut
    vor 26 Wochen 1 Tag
  • Januar-Orakel 2010
    Seba-u mut
    vor 29 Wochen 3 Tage
  • Dezember-Orakel 2009
    Seba-u mut
    vor 35 Wochen 21 Stunden
  • November-Orakel 2009
    Seba-u mut
    vor 39 Wochen 1 Tag
Neueste Kommentare
  • neuer Feind?
    vor 6 Tage 8 Stunden
  • Der Gang des Helden
    vor 1 Woche 8 Stunden
  • ich mach mir jetzt vllt einen
    vor 1 Woche 20 Stunden
  • zum Abgewöhnen
    vor 1 Woche 4 Tage
  • dreckiges Wasser!
    vor 3 Wochen 4 Tage
  • *ggg*
    vor 3 Wochen 4 Tage
  • Nachfrage:
    vor 3 Wochen 5 Tage
  • :)
    vor 3 Wochen 5 Tage
  • Wer hielte sich noch an "Gut" und "Böse"?
    vor 3 Wochen 5 Tage
  • Orakel !
    vor 6 Wochen 5 Tage

Unterstütze den Aufbau des Neuen Aeons mit einer Spende!