Was ist Thelema?
Diskussionsrunde zum Familientreffen
Die Frage zu beantworten, ist auf viele verschiedene Weise möglich.
Ich halte es auch für sinnvoll, viele Antworten auf diese Frage zu finden.
Weil: Mit jedem, der eine Antwort findet auf diese Frage, die er selbst - für sich - versteht, wird es leichter auch für andere, eigene, immer neue Antworten zu finden.
Erste Annäherung:
Thelema ist Die Kunst zu tun was ich will.
Die Kunst - nicht Religion, nicht Wissenschaft - wie Crowley formulierte - wir sind keine Crowleyaner, sondern: Kunst.
tun - verweist auf Handeln
was - der Gegenstandsbereich ist offen, nicht also ist vorgeschrieben, was man zu tun und zu lassen, womit man sich zu beschäftigen hat, sondern: finde es heraus!
ich - es geht um mich.
will - mein ganzes Wesen ist gefragt, Wollen ist der wunderbar bergeversetzende Zustand, in dem alles was ich bin: Gedanken, Gefühle, Bewegungen sich einig sind: Das will ich genau so - mensch merkt, wenn er mit sich soweit ist.
Und nun weiter: Was kommt im Ganzen raus, wenn ich, wenn viele, wenn überhaupt Menschen nach ihrem oder auch: In ihrem Willen leben?
Deshalb jetzt meine:
Zweite Annäherung:
Thelema ist ein uraltes, zeitloses Muster des Denkens, Fühlens und Handelns.
Mike nennt dieses zeitlose Muster in den "Tanzenden Sternen", auch das "Mystische Muster".
Das mystische Muster - ein Muster, in dem alles mit allem, oder besser: Jeder mit jedem verbunden ist. Jeder mit jedem, weil: jede selbst allerkleinste Einheit ein lebendiger kreativer Prozeß, also nicht: etwas sondern Jemand ist.
Und sobald ein Mensch beginnt, sich im mystischen Muster zu bewegen, erlebt er bewußt, was er sonst auch immer tut:
Ich bin es, in jedem Augenblick neu, der jedes mit jedem zu einem Neuen, zu dem, der ich bin, verbindet und ich weiß und ich will genau das, was ich da gerade tue - ohne Beschränkung und ohne Ende.
Und so ausnahmslos jeder - jeder aus seiner Perspektive.
Dieses Muster hat es immer gegeben und wird es immer geben - es verändert sich ständig, wird feiner, komplexer, zarter, integriert immer mehr, immer neue Möglichkeiten. Es lernt, wie jeder sehen kann, wenn er ein Blick in die Geschichte z.B. der Menschheit wirft, es lernt mit /durch jeden von uns.
Im letzten Aeon wurde dieses Muster u.a. Gnosis genannt. Gnosis - fühlendes Wissen, wissendes Fühlen. Ein Weg ins mystische Muster, der in allen Religionen bekannt war.
In diesem Aeon heißt es Thelema. Zum Denken und Fühlen kommt Handeln dazu: Handeln aus dem Innersten eines jeden Wesens heraus - Das Äußern des Innersten - Kunst.
In dieses Muster kann ich nicht eintreten - anklopfen, bitten und mir ward aufgetan ..
Es gibt keinen Weisen, Allmächtigen - der mich hineinholen könnte oder gar reinsetzen, reinzaubern.
Das mystische Muster, Thelema, ist nirgendwo, es ist überall - ich kann nur: hineinwachsen.
Dritte Annäherung
Die Frage, der ich mich nun als letztes nähern will, schließt an die zweite Antwort / Annäherung an: Wie kann ich in dieses zeitlose ständig lernende hineinwachsen?
Thelema ist Die Kunst, mich einzulassen, auf das was ich tue.
Mich einlassen, damit meine ich: Offen sein, offen werden für das, was immer ich gerade tue.
Und wer beginnt, diese Erfahrung zu machen, wird bemerken: Sie ist komplex, diese Erfahrung, zieht, wenn ich´s zulasse, alles, hinein in den Prozeß, als zu erleben ich gerade beginne: Mich selbst, anderes, Andere und das gleichzeitig, ineinander verwoben und doch von mir selbst gelenkt.
Kurz ich habe immer mit dem Ganzen zu tun - mit mir im Ganzen.
Mich selbst:
Meditation und Reflexion können Anfänge sein - von denen aus ich primär mich selbst in Beziehung zum Ganzen setze, in der Folge wohl überlegtes auch handfest praktisches Tun mir erobere.
Anderes:
Ein handfestes Handwerk kann mich die Freude am Detail, an Präzision oder auch der Fähigkeit zu formen lehren und mich von dort aus zu immer tieferen Erfahrungen meiner selbst weitergehen lassen.
Andere:
Erfahrungen mit Gemeinschaften, Beziehung, Heranwachsenden kann mich lehren, wie anspruchsvoll es ist, einen anderen Menschen als mich selbst zu verstehen. Gemeinsames Handeln könnte der sinnvollste Anschlußschritt sein.
Nicht alles nur denkbare Tun ist geeignet, um zu wachsen, aber ich wag mal zu behaupten: Das meiste kann zumindestens ein Anfang sein.
20 Jahre einen Hof zu fegen, ist heute sicher zu wenig komplex, um allein damit bis ins mystische Muster zu wachsen und doch: selbst mit Hof fegen kann mensch anfangen. "Wähle dir eine Insel" - und zwar dort, wo es Dir am leichtesten fällt, Dich auf jemanden oder auch etwas einzulassen.
Es ist ein Anfang ... Und wenn Du nicht aufhörst, und wenn Du Dich nicht auf das, was Du schon gefunden haben magst, beschränkst, sondern mehr und immer vielfältigeres, immer größere Extreme einbeziehen lernst, wirst Du wachsen, reicher und vielfältiger, feiner und stärker werden.
Nicht nur manchmal, wenn Du sehr gut drauf bist, sondern immer häufiger wirst Du Dich selbst als diese wunderbare Erfahrung erleben: Das was ich jetzt tue - genauso will ich es!
von Angela
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